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Die Sicherheit der neuen Atomkraftwerke – wenn Frankreich in China baut

Frankreich versucht seit dem Jahr 2005 neue  Atomkraftwerke mit höherem Sicherheitsstandard zu bauen, in Finnland, im Norden Frankreichs, in China und seit 2018 auch in Großbritannien. Die einzigen beiden Reaktoren, die bereits funktionieren, gingen im Jahr 2018 bzw. 2019 nach jeweils neunjähriger Bauzeit im chinesischen Taishan ans Netz. Sowohl in Finnland als auch in Frankreich selbst verursachen technische Probleme und Pfusch am Bau enorme zeitliche Verzögerungen bei der Inbetriebnahme und eine ungeheure Kostenexplosion. In den französischen Medien ist die Rede von einem Kompetenzverlust. Man habe seit 1991 (Baubeginn des letzten Reaktors der vorherigen Serie) keine Atomkraftwerke mehr gebaut, die erfahrenen Ingenieure seien in der Zwischenzeit in den Ruhestand gegangen. China baut zwar seit 10 bis 20 Jahren die meisten neuen  Atomkraftwerke, doch wurde der EPR federführend von den Franzosen entwickelt und auf der Baustelle in Taishan, die zwei Jahre nach der Baustelle im französischen Flamanville startete, waren französische Ingenieure im Einsatz – abgeordnet von der französischen Firma EDF. Angeblich habe man aus den in Frankreich gemachten Fehlern gelernt und diese daher bei den Arbeiten in China vermeiden können. Außerdem waren auf der französischen Baustelle bis 2018 maximal um die dreitausend Personen gleichzeitig im Einsatz, in China jedoch zwischen zehn- und zwölftausend, sodass dort schneller und effektiver gearbeitet werden konnte.

Die Druckwasserreaktoren der dritten Generation genannt EPR wurden von den französischen Firmen EDF und Framatome zusammen mit der deutschen Firma Siemens entwickelt. Frankreich startete im Jahr 2007 den Bau seines ersten EPR-Atomkraftwerks in Nordfrankreich bei Flamanville. Die neuen Druckwasserreaktoren sollen Schutz vor den Folgen einer Kernschmelze bieten, durch einen Auffangbehälter unterhalb des Reaktordruckbehälters. Außerdem soll die EPR-Bauweise des Reaktorgebäudes mit zwei Sicherheitshüllen aus Beton besser vor Flugzeugabstürzen schützen.

Um auf bestimmte Sicherungseinrichtungen bei den Rohrleitungen verzichten zu können wurde zudem ein extrem hohes Maß an Stabilität bei den Schweißnähten festgelegt. Eine neue Technik sollte zum Einsatz kommen, um die hohe Qualität der Verschweißungen mit dem Qualitätsstandard „absolut bruchsicher“ zu gewährleisten.

Ab dem Jahr 2011 häuften sich die Beanstandungen, da die französische Behörde für nukleare Sicherheit ASN nach der japanischen Reaktorkatastrophe von Fukushima ihre Vorgaben und Baukontrollen verschärft hatte.

So sollten ursprünglich die Notstromaggregate neben das direkt am Meer gelegene Reaktorgebäude gesetzt werden, sodass diese bei einem Tsunami wie in Fukushima überspült und damit unbrauchbar würden. Es musste um geplant werden um die Notstromversorgung auf dem hinter dem Reaktor befindlichen hohen Felsen zu installieren.

Bereits im Jahr 2008 traten Anomalien bei dem im Beton verwendeten Stahl auf. Es folgten Risse im Beton, erste Probleme mit zu erneuernden Schweißnähten sowie Inhomogenitäten und Unebenheiten im Abklingbecken für die abgebrannten Brennelemente.  Zwei tödliche Unfälle auf der Baustelle im Jahr 2011 und verspätete Lieferungen verzögerten zusätzlich den Bau. 2012 mussten weitere Schweißnähte repariert werden, Ventile entsprachen nicht den  französischen Vorschriften. Doch erst ab dem Jahr 2015 wurden die Probleme bekannt, die die Kosten und die Bauzeit ins Unabsehbare ansteigen ließen. Der Stahl des Reaktordruckbehälters wies einen zu hohen Kohlenstoffanteil auf. Mit Hilfe von durchgeführten Tests konnte EDF erst Monate später nachweisen, dass eine ausreichende Bruchsicherheit dennoch gegeben sein soll. Das Ende der Bauzeit war 2015 noch für das Jahr 2018 vorgesehen. Statt der geplanten Fertigstellung wurden 2018 allerdings Qualitätsmängel bei den wichtigen Schweißnähten des Sekundärkreislaufes entdeckt. Im Jahr 2019 entschied dann die französische Behörde für nukleare Sicherheit, dass die acht sehr schwer zugänglichen Schweißnähte entgegen des Vorschlags von EDF ebenfalls vor der Inbetriebnahme repariert werden müssen und nicht erst 2024 beim ersten Instandhaltungsstopp des Atomkraftwerks. Statt fünf Jahre Bauzeit mit Kosten von 3,5 Milliarden Euro sind nun mindestens Gesamtkosten von 19 Milliarden Euro zu erwarten. Die Inbetriebnahme bleibt trotz gegenteiliger Bekundungen ungewiss, wird aber frühestens  im Jahr 2023 erfolgen können.

Acht der 66 beanstandeten Schweißnähte liegen ausgerechnet im Innern des Reaktorgebäudes an einem völlig unzugänglichen Ort zwischen der äußeren und der inneren teilweise meterdicken Betonhülle – ein Fehler bei der Planung, der einfache Reparaturen unmöglich macht. Die Schweißnähte verbinden die Stahlrohre, die vom Dampferzeuger zu den Turbinen führen. Um hier manuell schweißen zu können, müsste ein Stück Betonwand des Reaktorgebäudes eingerissen werden, was mindestens eine weitere Bauverzögerung von 5 Jahren zur Folge hätte. Alternativ könnte ein Roboter zum Einsatz kommen, der im Innern der Rohre  die fehlerhaft verschweißten Stellen herausschneidet und dann ein eingesetztes Verbindungsrohr neu verscheißt. Tests hierzu liefen unter anderem in Zusammenarbeit mit einer deutschen Firma, die solche Roboter bereits erfolgreich im Einsatz hat.

https://www.welt.de/wirtschaft/article198294801/Atomkraft-Bilfinger-soll-Probleme-in-franzoesischem-Reaktor-loesen.html

Gleichzeitig wurde damit begonnen mehrere Hundert Schweißer besonders intensiv auszubilden, in der Hoffnung, dass die weiteren Schweißarbeiten ohne Beanstandungen den geforderten Qualitätsstandard erfüllen werden. Bei den bislang von Subunternehmen beschäftigen Schweißern fehlten die erforderlichen Kompetenzen. Es ist schon traurig, dass eine Industrienation wie Frankreich erst eine Ausbildungsoffensive für Spezial-Schweißer starten muss um ihr Vorzeige-Atomkraftwerk reparieren zu können. Nun sollen 500 zusätzliche Personen die Schweißarbeiten an den 58 zugänglichen mangelhaften Schweißnähten manuell erledigen.

 

https://www.la-croix.com/Economie/EPR-Flamanville-nouveau-retard-raison-soudures-reparer-2019-06-20-1301030192

le 20/06/2019 à 10:28

Die acht unzugänglichen fehlerhaften Schweißnähte in der Wand des Reaktorgebäudes des EPR von Flamanville

 

Vor der Verstärkung der beanstandeten Schweißnähte führte EDF bereits ab Herbst 2019 die üblichen Testläufe des Primär- und Sekundärkreislaufs ohne Brennstäbe durch, mit dem Dampf der beiden älteren derzeit stillstehenden Reaktoren von Flamanville, der radioaktives Tritium enthält. Die Tests wurden im Februar 2020 erfolgreich abgeschlossen. Der Hitze-Testlauf drei Jahre vor der geplanten Inbetriebnahme wurde heftig kritisiert, da diese Tests normalerweise erst direkt vor dem Einsetzen der Brennelemente erfolgen.

Die versprochene enorm hohe Qualität der extrem dicken Schweißnähte ist vielleicht technisch kaum umsetzbar. Ich frage mich, wie die Chinesen das geschafft haben. Der zweite EPR-Reaktor ging in China in dem Jahr ans Netz, in dem die französische Atomsicherheitsbehörde die von EDF vorgeschlagenen Sicherheitsgarantien für die  unzugänglichen acht Schweißnähte als unzureichend ablehnte.

Können die Chinesen besser schweißen oder schlechter kontrollieren?

Oder sind etwa die Sicherheitsanforderungen der chinesischen Behörden generell weniger streng, wie etwa beim Bau des großen Drei-Schluchten-Staudamms vor Shanghai, der Risse im Beton aufweist?

 

https://www.heise.de/tp/news/Atomkraft-Auch-in-China-verzoegern-sich-die-EPR-3098182.html

  1. Februar 2016  Wolfgang Pomrehn

… Nur in China klappt es mit dem EPR-Bau, hieß es bisher. Neue Nachrichten aus der Volksrepublik widersprechen dem allerdings. Auch beim Bau des AKW Taishan in der Nähe von Hongkong gibt es Probleme. Der Ecologist berichtet, dass sich dort die Inbetriebnahme der beiden im Bau befindlichen EPR um ein weiteres Jahr auf 2017 verzögert… Doch sind das womöglich nicht die einzigen Sorgen, die man sich in China machen muss. Die britische Zeitung The Telegraph berichtete schon letzten Sommer französische Medien zitierend, dass die französische Atombehörde zahlreiche Fehlfunktionen bei Ventilen des EPR in Flamanville festgestellt habe. Die Fehler könnten schlimmsten Falls zu einer Reaktorschmelze führen, wenn das Kühlsystem versagt.

In der autonomen Stadt Hongkong halten dortige Beobachter Taishan für eine der gefährlichsten Baustellen Chinas, wie die South China Morning Post (SCMP) schreibt. China baue allgemein zu schnell und habe nicht genügend Erfahrungen und fachkundiges Personal für den Betrieb. Landesweit sind derzeit 64 Reaktoren im Bau oder in der konkreten Planung und 92 weitere als Vorschläge in der Diskussion.

30 seien bereits im Betrieb, so das in der ehemaligen britischen Kolonie erscheinende Blatt. In Hongkongs Nachbarprovinz Guangdong seien derzeit 18 Reaktoren im Bau, in Planung oder vorgeschlagen. 12 weitere könnten hinzukommen…

Die in Flamanville gefundenen Fehler betreffen offensichtlich das Design der Anlage, stellen also auch für den Bau in Taishan ein Problem dar. Da verwundert es schon, dass AKW-Bauer Areva in China mit seinen Erfahrungen auf den europäischen Baustellen wirbt, wie die SCMP schreibt, und unter Berufung auf „erprobte Technologie“ eine Verkürzung der Bauzeit um 40 Monate versprach. Pierre-Franck Chevet, Chef der französischen Atomaufsicht, habe nach dem Bekanntwerden der Ventil-Fehler mit den Behörden in Beijing (Peking) konferiert, aber über die Ergebnisse ist nichts bekannt…

 

Sicher ist jedenfalls, dass die Chinesen ihre Bauvorhaben schneller umsetzen können – eine Fähigkeit, die den europäischen Industrienationen abhanden gekommen zu sein scheint.

Generell ist es zu begrüßen, dass die französische Atomaufsicht unnachgiebig ihre Vorgaben an die Sicherheit durchzusetzen versucht. Man sieht ja in Belgien, wie riskant es werden kann, wenn bereits beim Bau eines Atomkraftwerks festgestellte Materialfehler nicht behoben werden wie die Risse in den Reaktordruckbehältern von Doel und Tihange.

Das geplante Reparaturverfahren für die Schweißnähte mit den Robotern muss von der Aufsichtsbehörde noch genehmigt werden, was zum Herbst 2020 erwartet wird. Ich kann mir aufgrund des Gesichtsverlusts bei einem endgültigen Scheitern des Bauvorhabens nicht vorstellen, dass die französische Atomaufsicht grundlos die Inbetriebnahme des Reaktors weiter verzögert hat. Die Mängel müssen die Reaktorsicherheit tatsächlich in einem nicht akzeptablen Maße aufs Spiel setzen. Das staatliche Interesse an einer zügigen Fertigstellung des Vorzeige-Reaktors ist schließlich sowohl energiepolitisch für Frankreich als auch für den weiteren Export der Technologie von großer Bedeutung.

Ich frage mich, warum man die Schweißnähte erst kontrolliert hat, nachdem das Reaktorgebäude bereits komplett fertiggestellt war. Oder man hat es schon vorher gewusst und einfach weitergebaut in der Erwartung, dass die weniger stabilen Schweißnähte notgedrungen – wie bereits der weniger bruchsichere Druckbehälter – trotz anderer Planung und strengerer Vorgaben vorerst genehmigt würden.

 

 

Atomkraftwerk Flamanville 2010: Baustelle der dritten Generation des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR), Baubeginn Ende 2007, neben den zwei in Betrieb befindlichen Reaktorblöcken, hinter dem 2. Hügel beim großen Baukran 

 

Atomkraftwerk Flamanville Baustelle 2011: der vordere Felsen ist zur Hälfte abgetragen 

 

Atomkraftwerk Flamanville Baustelle 2020: statt des vorderen Felsens stehen dort  zwei im Bau befindliche Gebäude, hinter dem großen Felsen ist der  Schornstein des EPR-Reaktorgebäudes erkennbar   

 

Atomkraftwerk Flamanville 2020:  EPR-Reaktorgebäude,  zum Großteil verdeckt, mit drittem Schornstein von vorne ist fertiggestellt

 

Internetseiten und Videos zum Thema: 

https://www.youtube.com/watch?v=vXodtG3cdLg

how the world’s first Gen-III European Pressurized Reactor was built

27.03.2019

 

https://www.youtube.com/watch?v=9OIjd-FhebQ

World’s First Third Generation EPR Nuclear Power Unit Completed in South China

15.12.2018

 

https://www.youtube.com/watch?v=odJDKIzTcAw

EDF dévoile son plan pour terminer l’EPR de Flamanville !

17.12.2019

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Flamanville

 

https://www.usinenouvelle.com/article/la-facture-de-l-epr-de-flamanville-derape-encore-et-grimpe-de-1-5-milliard-d-euros.N892619

 

https://france3-regions.francetvinfo.fr/normandie/manche/flamanville/500-personnes-vont-refaire-soudures-defectueuses-chantier-epr-flamanville-1632030.html

 

https://www.youtube.com/watch?v=IzUcNR-A9Aw&feature=youtu.be

EPR : Explication d’une catastrophe industrielle, 16.11.2019

 

https://www.youtube.com/watch?v=rsZOQ9V3gFU

Anomalie de la cuve de l’EPR : position de l’ASN et suite du processus d’instruction (28/06/2017), 08.09.2017

 

https://www.youtube.com/watch?v=Z4lrkUatQHw&feature=youtu.be

Flamanville 3 : fin des essais à chaud, 18.02.2020

 

https://www.youtube.com/watch?v=GlaqgWSokfM

Les essais à chaud de l’EPR de Flamanville 3

13.02.2019

 

https://www.ouest-france.fr/normandie/flamanville-50340/normandie-epr-de-flamanville-les-essais-chaud-lances-6540166

 

https://www.youtube.com/watch?v=rQBT4WIOcCU&feature=youtu.be

EPR Reaktor in Olkiluoto: Core Catcher erklärt – Kernschmelze als GAU ohne „Super“

30.06.2019

 

https://youtu.be/hwd2lVHLlKs

EPR de Flamanville – Remise à niveau des soudures de Flamanville 3

09.10.2019

 

Stromversorgung statt Sicherheit – warum die Bundesregierung die belgischen Atomkraftwerke für unbedenklich erklärt

 

Seit die belgische Atomaufsicht FANC im Jahr 2012 die beiden ab Mitte der siebziger Jahre gebauten Reaktoren Tihange 2  und Doel 3 vorübergehend vom Netz nehmen ließ, ist bekannt, dass der Stahlmantel der  Reaktordruckbehälter aufgrund von tausenden Haar-Rissen eine verminderte Stabilität aufweist. Zwischen 2012 und 2015 waren die Reaktoren die meiste Zeit abgeschaltet und es wurden Ultraschalluntersuchungen der Risse vorgenommen und ausgewertet. Trotz bedenklicher experimenteller Ergebnisse aus dem Jahr 2014 wurde im November 2015 von der belgischen Atomaufsicht die Genehmigung für das Wiederanfahren erteilt. Nach einem weiteren Störfall im Block 1 von Tihange hatte die damalige Umweltministerin Barbara Hendricks im Jahr 2016 Belgien erfolglos zur Stilllegung der Reaktoren aufgefordert. Seither herrschte Panikstimmung in der nur 60 Kilometer entfernten Region um  Aachen. Es wurden sogar Iod-Tabletten an die Bevölkerung verteilt, um die Kontamination im Falle einer radioaktiven Wolke zu reduzieren.

In der folgenden Dokumentation, die an der FH Aachen im Sommersemester 2018 unter Betreuung von Prof. Knézy-Bohm entstanden ist, wird ebenfalls von einer Zunahme der Risse in den Reaktordruckbehältern gesprochen (ab Minute 3). Im Jahr 2012 seien mehrere Tausend Haar-Risse im Stahl des Reaktormantels von Tihange 2 entdeckt worden, die durch Wasserstoff-induzierte Einschlüsse bei der Produktion des Stahls entstanden seien. Im Jahr 2014 hatte eine erneute Überprüfung eine Verdopplung der Risse auf über 3000 ergeben.

 

https://www.youtube.com/watch?v=ax0rgsZ1jJA

 

Die festgestellte Zunahme der Risse zwischen 2012 und den Inspektionen 2016 bzw. 2017 wurde durch den Betreiber Electrabel mit verbesserten Ultraschallverfahren erklärt. Die Bruchfestigkeit sei nur leicht reduziert.

Im Vortrag von Diplom-Ingenieur Mohr auf einer Konferenz der INRAG (internationale Organisation unabhängiger Nuklearexperten)  im April 2016 in Aachen wurde die Aussagekraft der durchgeführten Untersuchungen und Auswertungen angezweifelt.

 

https://findunucleaire.be/doc/nucleaire/-Belgique/T2-D3/INRAG_Aachen-2018/DE/INRAG_Mohr_Aachen-2018.pdf

 

Herr Mohr kritisierte, dass keine Originalproben der  Reaktordruckbehälter mit den Materialfehlern vorlagen, so dass sich einige wichtige Untersuchungen zu den Auswirkungen der Risse ausschließlich auf Fremdmaterial stützen. Außerdem seien die Ultraschalluntersuchungen nicht so leicht reproduzierbar, ein Ausschluss des Riss-Wachstums  erfordere daher Interpretationen und sei somit fraglich. Zudem weiß niemand, ob nicht zusätzliche verdeckte Risse existieren sowie Querverbindungen zwischen verschiedenen Rissen.

Zur Ausstellung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung musste nachgewiesen werden, dass der Stahl trotz der Risse noch ausreichend bruchfest ist. Hier kritisiert Mohr, dass für die Berechnungen jeweils mehrere kleine Risse mit einem großen Riss gleichgesetzt wurden. In der Zusammenfassung wird von Unsicherheiten bei der  Nachweisführung gesprochen, die dem hohen Sicherheitsrisiko nicht gerecht würden.

Wolfgang Renneberg erwähnte in seinem Konferenz-Vortag Unregelmäßigkeiten im Genehmigungsverfahren.

https://findunucleaire.be/doc/nucleaire/-Belgique/T2-D3/INRAG_Aachen-2018/DE/INRAG_Renneberg_Aachen-2018.pdf

Nach der Herstellung der Stahlwand festgestellte Rissbefunde seien im weiteren Prüfprozess verschwunden. Die FANC behauptet, die 2012 festgestellten Risse seien trotzdem ausschließlich  herstellungs- und nicht alterungsbedingt. Dann müssten entweder falsche Unterlagen vorgelegen haben oder die Genehmigung wäre rechtswidrig erteilt worden. Sollten die Risse im Betrieb entstanden sein, so wäre der Sicherheitsnachweis aus 2015 ungültig.

Die FANC führt die Risse auf Wasserstoff-Einschlüsse bei der Herstellung zurück. Eine Auswirkung der Rissfelder auf die Bruchsicherheit wird sowohl im Normalbetrieb als auch im Störfall ausgeschlossen, wie im Abschlussbericht von 2015 auch in deutscher Sprache festgestellt wird.

 

https://findunucleaire.be/doc/nucleaire/-Belgique/T2-D3/AFCN_%20Flaw%20indications%20in%20the%20reactor%20pressure%20vessels%20of%20D3%20and%20T2%20-%20Final%20Evaluation%20Report_12nov2015.pdf

 

Herr Mohr war in seinem Vortrag  auf die grundlegende Problematik bei der Nachweisführung der Integritätssicherheit eingegangen. Bei der  Bruchsicherheitsanalyse für die Druckbehälter Doel und Tihange mit Materialfehlern im Reaktordruckbehälterring waren sowohl die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchungen als auch die Materialkennwerte der untersuchten Fremdmaterialien berücksichtigt worden. Die Untersuchung des Dampferzeugerwerkstoffs mit Wasserstoff-Flocken VB 395 ergab eine starke Versprödung, was die Belastbarkeit reduziert. Statt die notwendigen Schlüsse zu ziehen und im Zweifel für die Sicherheit zu bewerten wurde das Ergebnis  zum Ausreißer erklärt. Der Stahl des Druckbehälters würde sich anders verhalten. Diese Annahme mag zwar wissenschaftlich fundiert sein, ein Nachweis konnte aber nicht erbracht werden. Es erscheint mir äußerst fragwürdig, wenn alle störenden Ergebnisse als unbedenklich uminterpretiert werden. In einer deutschsprachig erhältlichen Zusammenfassung von Electrabel liest sich die Bewertung der Reaktorsicherheit durchaus überzeugend.

 

http://corporate.engie-electrabel.be/wp-content/uploads/2017/05/20170428-persnota-heropstart-doel-3-tihange-2-lay-out.pdf

 Ausschnitte:

 

 

Wie in dem englischsprachigen Teil des Abschlussberichts nachzulesen, enthielten die Stahlproben von Doel 3 und Tihange 2 keine Wasserstoffflocken, die Untersuchungen sind also nur begrenzt aussagekräftig. Um den Ausreißer des Versuchsblocks der französischen Firma Areva zu begründen, der wegen der Wasserstoffeinlagerungen aussortiert worden war, wurde erwähnt, dass auch die Untersuchungen des Materials von Areva ohne Flocken zu unerwarteten Ergebnissen geführt habe. Ob diese Behauptungen jemals von unabhängigen Experten im Detail durch erneute Messungen überprüft wurden, bleibt unklar.

 

 

Im Abschlussbericht von 2015 wird festgestellt, dass man eine merkliche Zunahme der Wasserstoff-Flocken mit der Zeit durch die Belastung des Reaktorbetriebs für unwahrscheinlich halten würde.

Genau diese Behauptung nimmt Paul Lannoye in seinem offenen Brief an den Präsidenten der EU-Kommission vom Februar 2016 auseinander.

Das Wiederanfahren von Doel 3 und Tihange 2 muss seiner Ansicht nach als ein besonders gefährliches Experiment betrachtet werden – ein Experiment, das den Lebensraum von Millionen Menschen radioaktiv kontaminieren könnte.

https://findunucleaire.be/doc/nucleaire/-Belgique/T2-D3/Lannoye-Paul_Lettre-a-la-CE_fev2016.pdf

Die Argumentation der FANC beruht auf der Annahme, dass während des Reaktorbetriebs keine Wasserstoffquelle existiere, die zur Ausbreitung der Risse führen könne. In Wasser-Hochdruck-Systemen wie den Reaktordruckbehältern sind jedoch nach Aussage des offenen Briefs der Atomenergie-Experten mögliche Wasserstoffquellen zu berücksichtigen wie die Korrosion an der Grenze zwischen Stahl und Wasser sowie eine Zersetzung des Wassers durch die radioaktive Strahlung. Unabhängig von der Entstehungsursache sei jedoch nachgewiesen, dass bedeutende Mengen an Wasserstoff am Stahl entstehen würden, wovon ein Teil in den Stahlmantel eindringe. Die Löslichkeit von Wasserstoff soll bei einem bestrahlten Material sogar um den Faktor 10 steigen können. Zum Risiko würden die Wasserstoffeinschlüsse vor allem bei einer Abschaltung des Reaktors. Durch die sinkende Temperatur könnten die Wasserstoff-Atome, wenn sie nicht die Zeit haben, aus dem Stahl heraus zu gelangen, zu einem erheblichen Druckaufbau in dem sich zusammenziehenden  Stahl führen. Es könnten sich auf diese Weise Risse bilden, wie sie auch bei der Stahlherstellung entstehen können. Die Autoren warnen davor, dass – unabhängig von allen Theorien und Berechnungen – erhebliche zusätzliche Wasserstoff-Mengen in den bereits geschwächten Stahlmantel eindringen würden. Dieser zusätzliche Wasserstoff würde die Schwächung des Stahls verschlimmern. Bereits vorhandene Risse könnten mit hohem Druck belastet werden und auch neue oder vergrößerte Risse erzeugen.

Das Wiederhochfahren der Reaktoren gefährde die belgische Bevölkerung sowie die deutschen, luxemburgischen, holländischen und französischen Nachbarn. Die Genehmigung würde zudem die Grundprinzipien der atomaren Sicherheit verletzen, wonach  ein Reaktordruckbehälter von absolut einwandfreier Qualität sein muss.

Trotz all dieser gut begründeten Bedenken von Experten der Reaktortechnik hatte sich die belgische Atomaufsicht für den Weiterbetreib der Anlagen entschieden, und  bekam im Sommer 2018 dann sogar noch Rückendeckung durch die deutsche Reaktorsicherheitskommission. Die von der Bundesregierung eingeforderte Stellungnahme erhielt – wunschgemäß – eine hinreichend relativierende Bewertung der Untersuchungsmethoden der belgischen Ingenieure, so dass das Bundesumweltministerium überraschend Entwarnung gab. Die Risse stellten nach Interpretation der nicht fachkundigen Politiker auch im Störfall kein zusätzliches Risiko dar. Und für den Ernstfall ist man ja in Berlin weit genug entfernt!

 

https://www.welt.de/wirtschaft/article184793986/Atomkraft-Gruene-kritisieren-Persilschein-fuer-AKW-Doel-3-und-Tihange-2.html

Veröffentlicht am 02.12.2018 | Lesedauer: 3 Minuten

Von Daniel Wetzel

Wirtschaftsredakteur

… Doch im Sommer dieses Jahres ließ das deutsche Ministerium die Forderung nach Stilllegung fallen. Grund: Eine neue Stellungnahme der deutschen Reaktorsicherheitskommission (RSK), die sich für die Beamten wohl wie eine Unbedenklichkeitserklärung für die belgischen Reaktoren las.

Damit sei Schulze einer Fehlinterpretation des RSK-Gutachtens aufgesessen, kritisieren die Grünen nun – und berufen sich auf Aussagen, die der RSK-Vorsitzende Rudolf Wieland in der ARD gemacht hatte. Demnach habe seine Kommission keineswegs pauschal die Unbedenklichkeit der Reaktordruckbehälter bestätigt. Auch die internationale Organisation unabhängiger Nuklearexperten, INRAG, riet dem Bundesumweltministerium davon ab, „vor den Risiken des Kernkraftwerks Tihange 2 Entwarnung zu geben“. Demnach sei „ein katastrophales Versagen der Anlage weiterhin nicht praktisch ausgeschlossen“. Der Betrieb der Anlage verstoße „gegen die grundlegenden Sicherheitsgrundsätze des gestaffelten Sicherheitskonzepts“.

Das Bundesumweltministerium erklärte auf Nachfrage, Stellungnahmen zu sicherheitstechnischen Bewertungen ausländischer Reaktoren gebe man „grundsätzlich nicht.“ Ein Grund für die plötzliche Milde der Bundesregierung in kerntechnischen Sicherheitsfragen könnte in der diplomatischen Rücksichtnahme auf die Tatsache liegen, dass die belgische Stromversorgung nicht wirklich sicher ist…

 

Ich teile die im Welt-Artikel geäußerte Vermutung, dass bei der Einschätzung der Gefährdungslage durch die Bundesregierung die Sicherung der Stromversorgung vor der Sicherheit der Bevölkerung rangiert.

 

https://www.deutschlandfunk.de/reparaturen-an-atomkraftwerken-droht-in-belgien-der-blackout.1773.de.html?dram:article_id=429281

28.09.2018

… Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen. Wegen dringender Reparaturen… Alle belgischen AKWs kämpfen mit dem Problem des Brösel-Betons. Alles ungefährlich – wie immer wieder betont wird. Aber repariert werden muss es dennoch. Seit Tagen steht deshalb Marie-Christine Marghem in der Kritik… Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs… Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“…

 

Sind alle 7 Reaktorblöcke am Netz, so liefern sie knapp 50 Prozent des in Belgien benötigten elektrischen Stroms. Belgien hat den Atomausstieg noch nicht so weit vorbereitet, als dass eine Abschaltung derzeit in Frage käme. Wegen der Reparaturerfordernisse aufgrund des Brösel-Betons muss beständig ein Teil der Reaktoren abgeschaltet werden, so dass auf die beiden großen 1000-Megawatt-Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 nicht verzichtet werden kann, ohne dass ein Zusammenbruch des Stromnetzes, ein Blackout, zu befürchten wäre. Hinzu kommt, dass auch in Deutschland Stromengpässe möglich sind, wenn die letzten Atomkraftwerke fristgemäß abgeschaltet werden und die Stromtrasse von Nord- nach Süddeutschland zum Transport der Windenergie noch nicht fertig ist. Der Bau der geplanten Gleichstromtrasse könnte sich um zehn Jahre verzögern. Eine erzwungene Zunahme von Elektroautos würde den Strombedarf zudem in erheblichen Umfang erhöhen. Dann müssen wohlmöglich auch deutsche Atomkraftwerke länger am Netz bleiben.

Wie sehr die Bewertung durch die Bundesregierung an dem tatsächlichen Risiko vorbei erfolgt, wird in dem folgenden Artikel deutlich. Rudolf Wieland vom TÜV Nord hat als Chef der Reaktorsicherheitskommission laut deutschlandfunk.de deutlich gemacht, dass die Kommission nur den Auftrag hatte, den Stand der Technik bei der Bewertungsmethode der Belgier zu überprüfen. Aussagen zur Bedeutung der Risse für die Stabilität des Reaktordruckbehälters sollten in diesem Rahmen nicht bewertet werden. Dennoch kritisierte Wieland ganz vorsichtig die angewandte Berechnungsmethode, in Übereinstimmung mit den Feststellungen der INRAG-Experten. Doch diese feinen Töne wollten unsere Politiker nicht hören.

 

https://www.deutschlandfunk.de/pannenreaktoren-am-netz-deutschlands-sorge-um-belgiens.724.de.html?dram:article_id=429895

06.10.2018

Von Jantje Hannover

Doch in diesem nun zu Ende gehenden Sommer kam es zur Kehrtwende: Die Reaktorsicherheitskommission des Bundesumweltministeriums bezeichnete die Haarrisse als weit weniger gefährlich, als man zuvor befürchtet hatte. Daraufhin erklärte Hendricks Nachfolgerin im Amt, Svenja Schulze: Die deutsche Bundesregierung habe nun keine Handhabe mehr, einen souveränen Staat um die Abschaltung seiner Meiler zu bitten…

Von den heftigen Protesten aus dem Nachbarland hatte sich Belgien stets unbeeindruckt gezeigt. Man habe volles Vertrauen in die Arbeit der Atomaufsicht FANC, so der belgische Innenminister Jan Jambon . Immerhin vereinbarte er mit der damaligen Umweltministerin Barbara Hendricks eine intensive Zusammenarbeit belgischer und deutscher Experten – und die mündete nun in dem Bericht der Reaktorsicherheitskommission RSK zu den Reaktoren Tihange 2 und Doel 3. 

„Wir haben Unterlagen durchgesehen, wir haben deren Berechnungen gesehen“, erklärt der Chef der Kommission, Rudolf Wieland vom TÜV Nord.

Zusammen mit weiteren Experten hat er den Sicherheitsnachweis der belgischen Behörden überprüft. 

„Wir haben natürlich auch die Ergebnisse der Ultraschallprüfung teilweise gesehen, sodass wir uns ein Bild davon machen konnten: Wie sehen die Risse aus, was haben die für Berechnungen vorgenommen, welche Werkstoffkennwerte haben sie angesetzt? Das haben wir alles geliefert bekommen.“…

„Ob sie gefährlich oder nicht gefährlich sind, das sagen wir als RSK auch nicht. Sondern wir haben nur zu bewerten, ob die Bewertungsmethode, was man da macht, auch auf heutigem Stand von Wissenschaft und Technik ist: Geht man so auch vor?“ 

Das jedenfalls bejaht Rudolf Wieland und stellt den belgischen Kollegen also erst einmal ein gutes Zeugnis aus. Aber er räumt auch ein:

„Wir können jetzt nicht komplett alles bestätigen, was die in Belgien gemacht haben. Weil wir an der Stelle der Meinung sind, dass die Berechnungsmethode, die sie angewandt haben, die ist sicherlich für Einzelrisse ohne Zweifel anzuwenden, aber für Rissfelder wissen wir nicht, ob bringt sie vielleicht realistische, aber auch optimistische Ergebnisse. Das können wir nicht sagen. Die Belgier haben aber eine ganze Menge zusätzliche Konservativitäten eingebaut.“… 

„In Deutschland und auch weltweit gibt es ein Sicherheitskonzept für Kernkraftwerke, ein internationales Sicherheitskonzept. Und danach müssen bestimmte Störfälle von einem Kernkraftwerk beherrscht werden können“, erklärte Wolfgang Renneberg von der Vereinigung internationaler Nuklearexperten im April im Deutschlandfunk: Er ist ehemaliger Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium.

„Das ist in Tihange nicht der Fall, denn da kann es passieren, dass beispielsweise bei einem kleinen Abriss einer Leitung, die normalerweise kein Problem für das Kernkraftwerk sein sollte, die Sicherheitseinrichtungen dazu führen, dass der Reaktor-Druckbehälter kaputt geht, und das ist das Schlimmstmögliche, was passieren kann.“…

 

Es ist völlig klar, dass das Risiko eines Reaktorunfalls von der  Bundesregierung nach dem Prinzip Hoffnung verharmlost wird, um das Einvernehmen mit der belgischen Regierung nicht weiter zu stören. Dass das Spiel mit dem atomaren Feuer im Super-Gau enden kann, ist bereits seit Tschernobyl und Fukushima hinreichend bekannt. Leider ist es so, dass die Politiker aus solchen Ereignissen nicht lernen wollen. Die Gesundheit der Bevölkerung hat nur dann vorgeschobene Priorität, wenn es um vergleichsweise harmlose Stickoxid-Konzentrationen  geht, deren Begrenzung der Durchsetzung der Elektroautos dienen soll.

Nikolaus Müllner hatte in seinem INRAG-Vortrag 2016 die möglichen Konsequenzen einer Reaktorexplosion von Tihange 2 für den Raum Aachen dargestellt.

 

https://findunucleaire.be/doc/nucleaire/-Belgique/T2-D3/INRAG_Aachen-2018/DE/INRAG_Muellner_Aachen-2018.pdf

 

Da die Region Aachen in ungünstiger Windrichtung liegt, wären die Auswirkungen auf Aachen bei ungünstiger Wetterlage vergleichbar mit denen auf Städte innerhalb der 20 km Sperrzone um Fukushima.

Die Wahrscheinlichkeit eines radioaktiven Fallouts in einer Größenordnung, die in Tschernobyl eine dauerhafte Nicht-Besiedlung des Gebiets zur Folge hatte, liegt nach dem Ergebnis der aufgeführten Simulation für Aachen bei 10 Prozent.

Der Reaktorblock Tihange 2 wurde im Jahr 1983 in Betrieb genommen, Doel 3 im Jahr 1982. Die Betriebsgenehmigungen laufen 2023 bzw. 2022 aus. Ob die vorgesehenen Abschaltungen dann wirklich erfolgen, erscheint mir aufgrund der Energieversorgungsengpässe jedoch als fragwürdig, zumal bereits für Tihange 1 die Laufzeit im Jahr 2015 von 40 auf 50 Jahre bis 2025 verlängert worden ist.

Sollten die Risse trotz der Bekundungen von Electrabel alterungsbedingt zunehmen, dann würde die Gefahr eines Druckbehälterbruchs jährlich wachsen. Der Stahlbehälter ist zwar 20 Zentimeter dick, muss aber einem Druck von 155 bar, dem 155-fachen Luftdruck, standhalten und bei einem Störfall unter Umständen noch einem höheren Druck. Wahrscheinlichkeiten für einen möglichen Bruch lassen sich nicht angeben, da verlässliche Daten über die Folgen solcher Risse nicht vorliegen. Es wundert nur, dass man bislang bei keinem anderen der zahlreichen europäischen Atommeiler von derartigen  „Schönheitsfehlern“ gehört hat.  Electrabel hat die Zusage einer absoluten Sicherheit gemacht. Dieses Vorgehen erscheint mir, bei aller Gründlichkeit der durchgeführten Analysen, in jedem Fall als unzulässig. Beten wir zu Gott, dass sie Recht behalten werden!

 

Die Sicherheit von Atomkraftwerken – Gefahr durch Terror und technisches Versagen

 

Wie groß ist die Gefahr durch Terroranschläge?

Wie sicher ist die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle? 

Welche Gefahren für die Umwelt gehen von Atomkraftwerken tatsächlich aus?

Wie sicher ist der Betrieb von alternden Atomkraftwerken, wenn das Material ermüdet?

 

Es soll in Deutschland Untersuchungen zur Gefährdung von Atomkraftwerken durch Flugzeugabstürze gegeben haben. Als Ergebnis der Versuche im Modellmaßstab habe man festgestellt, dass für die Kraftwirkung auf das kuppelförmige Reaktorgebäude die Masseverteilung bei den eingesetzten Flugzeugen entscheidend sei. Je enger die Triebwerke beieinander lägen, desto größer sei die Kraftwirkung. Ein Tornado könne das Reaktorgebäude eines Atomkraftwerks zum Einsturz bringen, eine Boeing hingegen nicht.

Wie sollten Terroristen unbemerkt an ein Kampfflugzeug gelangen?

Außerdem wird der gesamte Luftraum in Europa lückenlos durch Radaranlagen überwacht wie unter anderem durch das HADR (Hughes Air Defence Radar) bei Marienbaum im Uedemer Hochwald.

 

http://www.lokalkompass.de/xanten/politik/hadr-hughes-air-defence-radar-im-uedemer-hochwald-bei-marienbaum-d351113.html

06.10.2013 / aktualisiert am 24.07.2016

… Als HADR wird das in der NATO eingesetzte Radargerät HR-3000 der Firma Hughes benannt. Hierbei handelt es ist ein 3D-Radar für die Nutzung in einem Luftverteidigungsnetzwerk – ein Radargerät, welches neben der Entfernung und dem Seitenwinkel ( Standard 2D ) auch die Höhe messen kann. Die Station im Marienbaumer Hochwald (Gefahrenstufe Alpha) hat eine Umkreisabdeckung von etwa 450 Km…

Radaranlage des HADR bei Marienbaum, Uedemer Hochwald 

 

Sobald ein Flugzeug vom Weg abkommt, wird Alarm gegeben und die Abfangjäger werden losgeschickt.

 

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/deutschland-abfangjaeger-waren-startklar-eine-boeing-777-herunterzuholen/9744514.html

10.04.2014

… Die deutsche Luftwaffe sowie Abfangjäger in Polen waren alarmiert, als eine indische Boeing 777 über dem deutschen Luftraum 22 Minuten lang keine Antwort auf die Kontaktaufnahme durch deutsche Fluglotsen gab…

Die Lotsen verständigten daraufhin das Nationale Lage- und Führungszentrum für die Sicherheit im Luftraum in Kalkar. Dort arbeiten rund um die Uhr Vertreter von Luftwaffe, Bundespolizei und Flugsicherung, um mögliche terroristische Bedrohungen durch zivile Flugzeuge abzuwehren. Im Zweifelsfall werden Abfangjäger der Alarmflotte alarmiert, um ein verdächtiges Flugzeug zu identifizieren und nötigenfalls zur Landung zu zwingen. Ein Abschuss wäre nach deutschem Recht nur dann zulässig, wenn sich keine Passagiere an Bord befinden. Auch darüber müsste bisher das gesamte Kabinett entscheiden… Befänden sich in einer Maschine oder einem Kleinflugzeug ausschließlich Terroristen, wäre als letztes Mittel der Gefahrenabwehr auch ein Abschuss denkbar…

 

Nach meinen Informationen sollen in der Nähe der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague (Manche, Nordfrankreich) Abfangjäger stationiert sein, die jedes Flugzeug, das in den Luftraum der Wiederaufbereitungsanlage oder des nahegelegenen Atomkraftwerks bei Flamanville eindringt, abschießen. Die Anforderungen an die Sicherheit in La Hague sind besonders hoch, da in belüfteten Schächten über mehrere Stockwerke hinweg direkt unter der Wiederaufbereitungsanlage sämtliche Reste der Wiederaufarbeitung, also die Reste der in ganz Frankreich verbrauchten Brennstäbe, zwischengelagert werden. Diese hochradioaktiven Abfälle enthalten 99 Prozent der Radioaktivität der gesamten erzeugten Abfallmenge und müssen Millionen Jahre gelagert werden. Hierzu werden die Abfälle der Wiederaufarbeitung in einer Glasmatrix eingeschmolzen. In La Hague lagern neben diesen sichereren auch noch zahlreiche nur mit Beton ummantelte hochradioaktive Abfälle aus den Jahren 1966 bis 1998. Areva, die Betreiber-Firma, ist in die Kritik geraten, weil der Beton altert und durch die wohlmöglich früher oder später austretende Radioaktivität die Menschen der Region und die Umwelt stark gefährdet sind. Areva ist bislang der gesetzlichen Forderung nicht nachgekommen, diese zehntausende Kubikmeter an radioaktiven Abfällen in neue Behälter umzulagern.

 

http://www.lemonde.fr/planete/article/2015/06/16/les-dechets-nucleaires-continuent-de-s-accumuler-a-la-hague_4654739_3244.html

LE MONDE | 16.06.2015

… Ces résidus finaux, qui ne représentent que 3 % du volume total des déchets nucléaires, concentrent à eux seuls plus de 99 % de leur radioactivité, et ils ne deviendront inoffensifs qu’au bout de centaines de milliers, voire de millions d’années. Ces produits sont coulés dans des matrices de verre, puis placés dans des puits ventilés, sur le site même de La Hague.

Il ne s’agit que d’une solution d’attente. A terme, ces colis sont destinés à rejoindre le futur centre industriel de stockage géologique (Cigéo) de Bure, entre la Meuse et la Haute-Marne, pour être enfouis à 500 mètres de profondeur, dans une couche d’argile censée les confiner pour des millénaires. Mais ce projet, qualifié de « poubelle nucléaire » par ses opposants, est encore en phase d’instruction. La mise en service du Cigéo n’est pas prévue avant 2025, et elle doit débuter par une période d’expérimentation, avant une éventuelle autorisation d’exploitation…

D’autant, rappelle-t-il, qu’Areva a subi de multiples rappels à l’ordre de l’Autorité de sûreté nucléaire (ASN), en raison du « retard » pris pour reconditionner plusieurs dizaines de milliers de mètres cubes de déchets radioactifs anciens, stockés « en vrac » dans « du béton qui vieillit »…

 

auf dem Felsen im Hintergrund der Bucht: Wiederaufbereitungsanlage La Hague am Cap de la Hague 

 

Wiederaufbereitungsanlage La Hague: Sicherungsanlagen

 

Von der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague aus werden nach Greenpeace-Angaben vorbehandelte schwach radioaktive Abwässer über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr weit hinaus ins Meer eingeleitet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wiederaufarbeitungsanlage_La_Hague

 

Mit der enorm starken nach Norden laufenden Küstenströmung, dem Raz Blanchard, werden die darin enthaltenen bis zu 63 Mikrometer großen radioaktiven Partikel abtransportiert und in der Nordsee verteilt.

 

 

https://www.heise.de/tp/features/Strahlender-Ozean-3287652.html

  1. Juli 2016  Susanne Aigner

Auch in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague, wo Atommüll aus ganz Europa aufbereitet wird, versinkt der strahlende Abfall im Meer. Mit den Meeresströmungen wird die Radioaktivität in den Ärmelkanal und in die irische See verteilt. Inzwischen wurde sie in der Arktis genauso wie in der Nordsee nachgewiesen. So ergaben unabhängige Messungen einen fünf Mal höheren Wert an Tritium bei holländischen Seegras, als vom Anlagen-Betreiber angegeben…

 

In Deutschland werden die verbrauchten Brennelemente seit 2005 nicht mehr nach Frankreich zur Wiederaufarbeitung geschickt, sondern direkt in sogenannte Castorbehälter verpackt und in großen Hallen meist neben den Atomkraftwerken zwischengelagert. Ein Endlager existiert bislang weder in Deutschland noch in Frankreich. In Frankreich soll ein Endlager in Cigéo in 500 Meter Tiefe ab 2025 erstmals ausgetestet werden.

 

Wie gefährdet sind die Zwischenlager?

Sollte ein Flugzeug bei einem Terroranschlag direkt auf  eine Zwischenlager-Halle gesteuert werden, so könnte dies unter Umständen schon eine radioaktive Verseuchung der direkten Umgebung zur Folge haben. Es ist die Frage, welcher Krafteinwirkung und Hitze Castorbehälter tatsächlich standhalten können.

 

https://www.3sat.de/page/?source=/nano/glossar/castor.html

zuletzt aktualisiert am 26.01.2016 

… Für den Atomausstieg werden 300 Castoren V19 für Brennelemente aus Druckwasserreaktoren und 120 Castoren vom Typ V52 für Siederwasserreaktoren gebraucht. Die mehrfach gesicherten Behälter sind mit einem Gewicht von 100 bis 150 Tonnen schwerer als eine vollbesetzte Boeing 737 und kosten 1,5 bis 2 Millionen Euro…
Einer der Castoren kann 28 Stahlzylinder aufnehmen, die in Glas eingeschmolzene, hoch radioaktive Stoffe aus der Wiederaufbereitung enthalten. Diese Glaskokillen müssen für Jahrzehnte oberirdisch zwischengelagert werden, bevor eine Endlagerung möglich ist. Zuerst herrschen nach Angaben der GNS im Inneren der Castoren Temperaturen bis zu 400 Grad. Durch Kühlrippen an der Außenhaut wird Wärme nach außen abgeleitet.

In die Wände der gusseisernen Castoren sind Kunststoffstäbe eingebaut, um Strahlung abzuschirmen. Die Behälter müssen einen Sturz aus neun Metern Höhe und einen Brand mit bis zu 1200 Grad Hitze überstehen können. Nach Angaben des Herstellers kann auch der Absturz eines schnell fliegenden Militärflugzeugs dem Castor nichts anhaben.

Atomkraftgegner schätzen den Sicherheitsstandard anders ein. Sie kritisieren, das die Behälter zum Teil unter unrealistischen Bedingungen getestet worden seien. Somit seien sie weder einem Flugzeugabsturz noch einem Angriff mit Panzerfäusten gewachsen. Die Castor-Gegner fürchten, dass ein Unfall mehrere Quadratkilometer in der Umgebung des Unfallorts radioaktiv verseuchen könnte. Zudem schirmen die Behälter Neutronenstrahlung schlechter ab, als erhofft.

 

In den Abklingbecken lagern nicht verpackte Brennstäbe. Eine Beschädigung würde also mit Sicherheit Radioaktivität freisetzen. Derartige Anschläge könnten in abgeschwächter Form ähnliche Auswirkungen zeigen wie die Wasserstoff-Explosionen und die Kernschmelzen in den Reaktorgebäuden in Fukushima 2011 nach dem Erdbeben und dem Tsunami.

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-brennelemente-in-abklingbecken-bedeuten-gefahr-a-831078.html

Donnerstag, 03.05.2012 

„Besondere Sorge“ bereite ihm aber nicht die Unordnung, sondern die gewaltigen Mengen an nuklearem Brennstoff, die in den Abklingbecken in den oberen Stockwerken der Reaktorgebäude lagern. Mit dieser Sorge ist Wyden in bester Gesellschaft: Mehrere Fachleute warnen davor, dass im Falle eines erneuten Erdbebens die Abklingbecken zerstört werden, das Kühlwasser ausläuft und die Brennelemente schmelzen. Im schlimmsten Fall könne es gar zu einer unkontrollierten Kettenreaktion kommen.

Die Brennelemente eines Siedewasserreaktors werden etwa alle fünf Jahre ausgetauscht. Nach ihrem Einsatz sind sie so heiß, dass sie noch jahrelang unter ständiger Kühlung in Abklingbecken gelagert werden müssen, ehe sie in Trockenbehälter umziehen können…

Sollte eines der Abklingbecken leckschlagen, wären die Folgen höchst unangenehm. Die ungekühlten Brennstäbe würden schmelzen, erklärt KIT-Experte Walter Tromm. „Das Zirkon in den Brennstabhüllen würde mit dem Wasserdampf reagieren und Wasserstoff bilden.“ Sollten die beschädigten Reaktorgebäude dann schon mit neuen Dächern versehen sein, könnte eine neue Explosion sie gleich wieder zerstören.

Falls nicht, würden radioaktive Spaltprodukte ungehindert in die Atmosphäre gelangen. Gefährlich sind in einem solchen Fall insbesondere die alten Brennstäbe, in deren Hüllen sich große Mengen an Spaltprodukten angesammelt haben. „Dieser ganze Dreck würde dann in die Luft gelangen“, sagt Höglund.

Er hält sogar noch Schlimmeres für möglich. Da die Brennelemente in sich nicht stabil sind, stehen sie in den Abklingbecken in Gestellen. „Sollten die bei einem Erdbeben zu Bruch gehen, würden die Brennelemente zusammenstürzen“, so Högl und. „Wenn sie am Boden des Beckens eine kritische Masse bilden und mit Restwasser in Kontakt kommen, kann es zur unkontrollierten Kettenreaktion kommen.“ Dann wäre „der Teufel los“: Hunderttausende Liter Wasser könnten binnen Sekunden verdampfen, strahlende Partikel und radioaktive Gase würden sich in der Umgebung verteilen…

„Ein großer Riss im Abklingbecken ist in Kernkraftwerken schlicht nicht vorgesehen. Dazu gibt es keine Szenarien und keine Vorbereitungen.“…

 

Die Abklingbecken liegen zwar nicht innerhalb des Sicherheitsbehälters des Reaktors, dafür aber in den oberen Stockwerken des kuppelförmigen Reaktorgebäudes. Dieses würde nach den mir vorliegenden Informationen dem Absturz eines großen Passagierflugzeugs standhalten, entgegen der Befürchtungen von Greenpeace.

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/abklingbecken-deutscher-meiler-gefahr-in-kobaltblau-a-751304.html

Mittwoch, 16.03.2011

Und weil die Abklingbecken nicht im Sicherheitsbehälter des Reaktors liegen, kann die Umwelt sehr schnell verschmutzt werden. Zumal ein Brand der Brennstabhüllen strahlende Partikel höher in die Atmosphäre reißen würde.

Das bedrohliche Szenario könnte im Grundsatz auch bei einer Katastrophe an einem deutschen Atommeiler auftreten. „Bei allen Siedewasserreaktoren der Baureihe 69 liegt das Abklingbecken außerhalb des Containments im zweiten oder dritten Stock des Gebäudes“, warnt Mathias Edler von Greenpeace

Für Rudolf Wieland, Chef der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK), ist die Lage der Abklingbecken so lange kein Problem, wie die Gebäude um sie herum nicht beschädigt sind. Und genau dafür gebe es eine anderthalb Meter dicke Stahlbetonhülle, sagt Vattenfall-Sprecherin Meyer-Bukow. „Die ist so konstruiert, dass der Lagerbeckenboden nicht beschädigt werden kann.“ Auch gegen einen Flugzeugcrash sei man gerüstet – „im Rahmen der Szenarien, die bei der Entwicklung des Kraftwerks zugrunde gelegt wurden“.

Umweltschützer sehen die Lage dagegen weit weniger positiv. „Anderthalb Meter Stahlbeton würden den Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs nicht aushalten“, kontert Greenpeace-Mann Edler kurz und knapp. „Damit könnte auch das Abklingbecken getroffen werden.“ …

 

Erfolgreiche Attacken auf Atomkraftwerke von außen sind vermutlich zu verhindern. Die Luftraumüberwachung lässt wohl kaum das ungehinderte Eindringen von Kampfflugzeugen in den Luftraum zu.

 

Wie sicher sind Atomkraftwerke vor Bombenanschlägen oder Sabotage durch das Personal?

Kurz nach den Terroranschlägen in Brüssel waren zwei belgische Atomkraftwerke evakuiert worden, weil man wohl islamistische Schläfer unter den Mitarbeitern befürchtete.

 

http://www.focus.de/politik/ausland/belgische-atomkraftwerke-teilevakuiert-experte-gefahr-eines-terroranschlags-auf-atomkraftwerke-steigt-dramatisch_id_5381488.html

Das belgische Atomkraftwerk Tihange bei Huy.

Mittwoch, 23.03.2016, 16:15

Nach den Anschlägen in Brüssel wurde ein belgisches Atomkraftwerk nahe der deutschen Grenze teilweise evakuiert. Schon lange besteht die Sorge, dass Terroristen einen Anschlag auf ein Kraftwerk begehen könnten. Nun zeigt sich, wie konkret die Gefahr ist: Islamisten haben die Wohnung des Leiters des belgischen Entwicklungsprogramms für Kernenergie observiert…

Die Teilevakuierung der beiden Atomkraftwerke in Doel und Tihange, in denen normalerweise jeweils rund 1000 Menschen arbeiten, war schon kurz nach den beiden Anschlägen auf Flughafen und U-Bahnstation in der belgischen Hauptstadt bekannt geworden. „Die Nachricht hat mich sehr überrascht. Denn ganz offenbar sind sich die Behörden nicht mehr sicher, ob sich in den Reihen der Mitarbeiter der beiden Atomkraftwerke nicht schon längst terroristische Schläfer befinden, die nur darauf warten, zuzuschlagen“, so Rosenkranz, bei „Agora Energiewende“ für Grundsatzfragen zuständig…

Bei einer Hausdurchsuchung in Brüssel am 30. November hatten die Ermittler unter anderem ein Video sichergestellt, auf dem zehn Stunden lang die Wohnung des Leiters des Zentrums für Nuklearenergie in der flämischen Stadt Mol zu sehen ist…

Wie groß die Gefahr der Angriffe auf Atomkraftwerke ist, ist spätestens seit der Anschlagsserie vom 11. September 2001 in den USA klar. Die „9/11-Kommission“ hatte 2005 bekanntgeben, dass Mohammed Atta, einer der beiden Todespiloten des World-Trade-Centers, sogar erwogen hatte, seine Maschine in ein Kernkraftwerk bei New York stürzen zu lassen. Von der Idee sollen ihn lediglich Informationen über eine erhöhte Überwachung des Luftraums abgebracht haben…

Neben der unkontrollierbaren nuklearen Gefahr, die von Selbstmordanschlägen auf Atomkraftwerke ausgehe, nannte Rosenkranz aber noch einen weiteren Aspekt, der ganze Volkswirtschaften bedrohen könnte… Ein solcher Anschlag würde eine Debatte darüber auslösen, die Atomkraftwerke sofort zu schließen – mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft…

Als „derzeit unwahrscheinlich“ schätzt Rosenkranz die Gefahr der Sabotage von Nuklearanlagen durch Cyber-Angriffe durch Terroristen ein, wie dies 2010 bereits in Iran geschehen war. Mit Hilfe eines Computervirus namens Stuxnet war es Angreifern damals gelungen, Hunderte von Zentrifugen der Urananreicherungsanlage Natanz physisch zu zerstören

 

Nach dem 11. September waren die wissenschaftlichen Tests durchgeführt worden um herauszufinden, welchen Schaden ein gezielter Flugzeugabsturz auf das Reaktorgebäude eines Atomkraftwerks anrichten könnte. Die Überwachung des Luftraums halte ich überall in Nordeuropa für gesichert.

Die Sabotagegefahr gerade über Cyber-Angriffe von Innen ist vielleicht nicht zu unterschätzen. Allerdings ist davon auszugehen, dass nur ein genialer Programmierer unbemerkt gefährliche Veränderungen in die Steuerungssysteme einbauen könnte.

 

https://de.sputniknews.com/panorama/20151006304748117-cyber-gefahr-atomanlagen/

15:34 06.10.2015(aktualisiert 15:36 06.10.2015) 

Bei eventuellen Cyber-Angriffen auf Atomkraftwerke sind nicht etwa technologische Lücken, sondern vor allem Verstöße gegen die Vorschriften durch das Personal gefährlich, wie ein russischer Experte im Hinblick auf die jüngste britische Studie zur Atomsicherheit äußerte.

… Der Experte kommentierte auch den Hacker-Angriff auf den südkoreanischen AKW-Betreiber Hydro and Nuclear Power im Dezember 2014. Damals wurden massiv schädliche E-Mails an die Mitarbeiter verschickt. Dadurch verschaffte sich der Hacker Zugriff auf interne technische und Personaldaten. „Zwar ist das unangenehm und könnte potenziell instrumentalisiert werden, um weitere Attacken zu planen oder Mitarbeiter unter Druck zu setzen, doch die unmittelbaren technologischen Vorgänge wurden durch jenen Angriff nicht gefährdet. Denn in allen Atomkraftwerken sind das Computernetzwerk des Betreibers und die PCs der Mitarbeiter vom eigentlichen AKW-Betrieb physisch isoliert. Das ist grundsätzlich wichtig und in allen Ländern gewährleistet“, so Demidow.

Unter allen zivilen Atomanlagen sind die Kernkraftwerke laut Demidow am besten geschützt; … Automatisierte Steuerungssysteme der eigentlichen Ausrüstungen waren praktisch nie betroffen.“

 

Bei der Auswahl und der Überprüfung ihres Personals sollten AKW-Betreiber sorgsam vorgehen. Die Hacker-Spezialisten unter den IS-Terroristen haben sich allerdings bislang meines Wissens nach noch keinen großen Namen gemacht.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mitarbeiter eines AKWs als Selbstmordattentäter einen größeren Austritt von Radioaktivität hervorrufen könnte.

Im August 2010 habe ich das Atomkraftwerk in Flamanville, Nordfrankreich besichtigen dürfen. Man musste zumindest als Besucher alle persönlichen Gegenstände in Spinden zur Aufbewahrung abgeben. Am Einlass auf das Gelände fand eine Kontrolle wie am Flughafen statt. Weder Handys noch andere digitale Geräte dürften mitgenommen werden, natürlich auch kein Rucksack oder etwa eine Tasche. Auch Mitarbeiter habe ich nicht mit Rucksäcken herumspazieren sehen. Alle Besucher trugen Helme in einheitlicher roter Farbe. Wir wurden gewarnt, uns nicht von der Gruppe zu entfernen. Ein Spaziergang ohne oder mit dem falschen Helm am falschen Ort würde sofort einen Alarm auslösen, da die Mitarbeiter weiße Helme trugen.

Das Reaktorgebäude selbst dürfte nur das dort arbeitende Personal betreten. Im Leitstand saßen mehrere Mitarbeiter hinter einer Glasscheibe in einem angeschlossenen Raum. Überall auf der Anlage traf man auf Sicherheitspersonal. Man brauchte für das Betreten jedes abgetrennten Bereichs der Anlage eine passende Zutritts-Marke. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mitarbeiter hier unbemerkt mit einer Rucksack-Bombe oder einem Sprenggürtel hineinspazieren könnte. Ein terroristischer Schläfer unter den Mitarbeitern hätte es ebenfalls schwer, in einen Gefahrenbereich zu gelangen, auch wenn er im Eingangsbereich, bei den Parkplätzen oder in der Wohnung versuchen würde, einen Mitarbeiter der Führungsebene zu entführen und sich mit diesem zwangsweise Zutritt zu verschaffen.

 

Atomkraftwerk Flamanville: neuer Reaktor im Bau

 

Atomkraftwerk  Flamanville 2010

 

Atomkraftwerk Flamanville 2010: Eingang vom Felsen aus oben, links kleines Gebäude mit Besucher-Information und  Ausstellung, Überwachungskameras rund um den Zaun

 

Atomkraftwerk  Flamanville 2010: mehrfach gesicherte Baustellenzufahrt 

 

Atomkraftwerk Flamanville 2010: Baustelle der dritten Generation des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR), Baubeginn Ende 2007, neben den zwei in Betrieb befindlichen Reaktorgebäuden

 

Atomkraftwerk Flamanville 2011

 

Die Terrorgefahr halte ich für begrenzt. Erheblich bedenklicher ist der technische Zustand der alternden Reaktoren. Neben zwei weiteren Bränden in anderen französischen Atomkraftwerken innerhalb von nur zehn Tagen gab es im Reaktor eins von Flamanville am 9. Februar 2017 eine Art Explosion, die wohl eher eine Verpuffung war und nicht im nuklearen Produktionsbereich, sondern in der Maschinenhalle aufgetreten war. Ein Ventilator soll sich aufgrund eines technischen Problems überhitzt haben, was zu einer starken Rauchentwicklung und einem Brand geführt haben soll. Diese Maschinenhalle hatte ich mit der Besuchergruppe, die mit meiner Ausnahme fast ausschließlich aus den französischen Verwandten von Mitarbeitern bestanden hatte, im August 2010 ebenfalls besichtigt.  In der Halle befindet sich die geschätzt 30 Meter lange Turbine mit dem Generator zur Stromerzeugung. Es ist dort fürchterlich heiß, über 35 °C, und so laut, dass wir nur über Kopfhörer die Erklärungen des uns herumführenden Mitarbeiters hatten verstehen können. Eine deutsch sprechende Dame war ebenfalls bei der Führung dabei gewesen, wenig überraschend… Sie hatte sich auffallend deutlich für meine Einstellung zur Atomkraft und zu Greenpeace-Aktionen interessiert. Ich hatte ihr zu ihrer Beruhigung dann erklärt, dass ich der Atomkraft zwar kritisch, aber nicht feindlich gegenüber stehe und unser Gespräch anschließend auf Französisch fortgesetzt, um die umstehenden Personen nicht auszuschließen…

 

http://www.ouest-france.fr/normandie/flamanville-50340/explosion-la-centrale-nucleaire-de-flamanville-des-blesses-4790646

Incendie à la centrale nucléaire de Flamanville : ce que l’on sait

Modifié le 13/02/2017 

A gauche en contrebas, le hangar noir, la salle des machines de production d’électricité où est parti l’incendie; à droite avec le dôme en béton la zone nucléaire du réacteur Flamanville 1. | Jonathan KONITZ

(Links im Hintergrund, das schwarze Gebäude, die Maschinenhalle zur Stromerzeugung wo der Brand ausgebrochen ist; rechts mit der Kuppel aus Beton der nukleare Bereich des Reaktors Flamanville)

Ce jeudi vers 9 h 30, une détonation s’est produite à la centrale nucléaire de Flamanville. Les services de sécurité de plusieurs centres de secours de la Manche ont été envoyés sur place. L’incident, qui a vu cinq personnes légèrement intoxiquées, s’est terminé ce jeudi en début d’après-midi…

Ce jeudi vers 9 h 30 « un ventilateur a explosé. C’est un problème mécanique. Il s’est mis à surchauffer et cela a provoqué un dégagement de fumée et un incendie », a précisé le préfet de la Manche Jacques Witkowski.

 

Das folgende Bild zeigt die beiden vorderen in Betrieb befindlichen Reaktoren und das Reaktorgebäude des EPR, der sich seit Ende 2007 im Bau befindet.

 

https://radiovl.fr/explosion-centrale-nucleaire-de-flamanville/

Explosion à la centrale nucléaire de Flamanville: pas de risque nucléaire

 Maxime Larcanche         9 février 2017

 

Auch im Atomkraftwerk Tihange in Belgien beunruhigt mich weniger die doch sehr abstrakte Terrorgefahr, als vielmehr die Gefahr durch die Risse im Reaktordruckbehälter des AKWs, das trotz dieser bedenklichen Schäden weiterbetrieben wird.

 

https://www.tagesschau.de/ausland/belgien-akw-105.html

Belgische AKW Doel und Tihange

Zu marode für kühles Kühlwasser

Stand: 01.02.2016 16:35 Uhr

Es geht um jeweils rund 1,8 Millionen Liter, die für die Notkühlung im Falle eines größeren Störfalls bereitgehalten werden müssen. Üblicherweise hat dieses Kühlwasser eine Temperatur von unter zehn Grad. In Tihange und Doel jedoch hat die Atomaufsicht bereits 2012 angeordnet, dieses Notkühl-Wasser auf 30 Grad vorzuheizen. Anlass für diese eigentümliche Anordnung ist die Tatsache, dass man seinerzeit Tausende feiner Risse in den Reaktordruckbehältern der beiden Atomkraftblöcke festgestellt hatte...

Im Dezember vergangenen Jahres hat nach Informationen des WDR die belgische Atomaufsicht ihre Anweisung sogar noch erheblich verschärft. In einem Bericht vor dem belgischen Parlament hat der Chef der Brüsseler Atomaufsichtsbehörde FANC angekündigt, man werde die Vorheiztemperatur – zumindest für den Reaktor in Doel – auf nicht weniger als 45 Grad erhöhen.

Der Betreiber der Anlage, die Firma Electrabel, spricht von mindestens 40 Grad. Damit geht man bis ans Limit, denn ab 50 Grad Celsius wäre das Wasser zu warm, um damit einen abgeschalteten Atomreaktor zu kühlen…

Das „Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie“ sieht in der jüngsten Meldung einen „Beleg dafür, dass die Reaktoren schon unter normalen Umständen unsicher“ seien. „Ein spontanes Bersten des Reaktordruckbehälters kann nicht mehr ausgeschlossen werden„, erklärte Jörg Schellenberg, der Sprecher des Bündnisses, gegenüber dem WDR…

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) bestätigte, dass das Vorheizen von Notkühl-Wasser ein mehrfach angewandtes Verfahren sei, um Reaktoren mit beeinträchtigten Druckbehältern weiter in Betrieb zu halten…

 

Hier bräuchte es keinen aufwendigen Bombenanschlag oder ein Programmiergenie, sondern nur ein Duseltier, das im Fall einer Notabschaltung die Temperatur des Kühlwasser falsch einstellt… Aber nein, so etwas kann ja nicht passieren, da gibt es sicherlich automatische Einstellungen, die manuelle Veränderungen durch eine Einzelperson völlig ausschließen.

Der Spruch ist schon etwas abgegriffen, aber es ist nun mal so: Die Hoffnung stirbt zuletzt – die Hoffnung, die Naturgewalten, die Technik und das menschliche Handeln kontrollieren zu können. Doch gilt das Prinzip, dass der Untergang nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit und der Zeit sein kann,  wenn erhebliche Risiken vorhanden sind. Das Austesten von Grenzen kann sowohl zu Fortschritt als auch zur Selbstzerstörung führen.

 

Die Grenzen des Möglichen lassen sich nur dadurch bestimmen, dass man sich ein wenig über sie hinaus ins Unmögliche wagt. 

A. C. Clarke