George Orwell, der Corona-Hygiene-Staat und die neue Sozialisation in deutschen Schulen

Sozialisation zielt grundsätzlich auf die Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen ab. Doch sollte gerade in der Schule auch vermittelt werden, dass gegen menschenunfreundliche Entwicklungen in einer Gesellschaft Widerstand zu leisten ist.

Die Sozialisation von Schülern in Corona-Zeiten ist jedoch eher als eine Sozialisation in Orwellsche Verhältnisse anzusehen.

Orwell schuf in seiner Utopie „1984“ einen totalitären Überwachungsstaat. Der künstlich erzeugte Notstand dient in dem von ihm entworfenen System vor allem dazu, das Volk von Bildung und selbstständigem Denken fern zu halten. Die Devise lautet „Unwissenheit ist Stärke“. Der Mensch soll durch Manipulation und Disziplinierung kontrolliert werden, mit dem Ziel, dem Individuum die Möglichkeit und Fähigkeit zum unabhängigen Denken zu nehmen. Eine Art Realitätskontrolle führt letztendlich sogar dazu, dass offensichtlich falsche Behauptungen, die dem gesunden Menschenverstand, ja sogar den Naturgesetzen widersprechen, als richtig akzeptiert werden. Ein wesentliches Mittel zur Manipulation der Massen ist hierbei die Sprache. Begriffe wie Freiheit, Gleichheit, Objektivität und Frieden werden aus dem Wortschatz entfernt oder in ihrer Bedeutung umdefiniert.  

In dem 2003 ausgestrahlten BBC-TV-Doku-Drama „George Orwell: A Life in Pictures“ wird Orwell in dem Auszug „Die letzte Warnung“ eine erschreckend gut auf unsere jetzige Politik der Verbote und der Zerstörung zutreffende Warnung für die Zukunft in den Mund gelegt. Ich weiß nicht, ob Orwell das tatsächlich so gesagt hat. Jedenfalls passen diese Worte zu seinem berühmten Werk „1984“:

„In unserer Welt wird es keine Emotionen mehr geben außer Angst, Zorn, Triumph und Selbst-Erniedrigung… Es wird keine Loyalität mehr geben außer der Loyalität gegenüber der Partei, doch wird es immer den Rausch der Macht geben. Immer, zu jedem Zeitpunkt, wird es den Nervenkitzel des Sieges geben, die Sensation einen hilflosen Feind niederzutreten. Wenn Sie ein Bild der Zukunft wollen, stellen Sie sich einen Stiefel vor, der unaufhörlich in ein menschliches Gesicht tritt. Die Moral, die aus diesem Alptraum gezogen werden soll, ist eine einfache. Lass es nicht geschehen! Es hängt ab von Dir!“

Im Internet bin ich auf eine sehr gelungene Zusammenstellung einiger Umdeutungen gestoßen, die seit Beginn der Corona-Krise mit dem Ziel der „Umerziehung“ der Bundesbürger über den Sprachgebrauch in den Medien in den Köpfen der unbedarften Konsumenten verankert wurden. Es wird systematisch versucht, gerade in den Schulen Begriffe wie Solidarität, Eigenverantwortung und Toleranz neu zu definieren. Gehorsam wird unter dem Label „Solidarität“ eingefordert, Eigenverantwortung als Egoismus verurteilt und unter Strafandrohung untersagt. Ignoranz wird als Toleranz bezeichnet und gefeiert. Denunzianten gelten mittlerweile als Beschützer. Unterwürfigkeit ist der neue Anstand und Grundrechte werden als Privilegien vergeben. Was früher als undenkbar galt, wird heute unter dem Begriff „Corona-Schutzmaßnahmen“ als alternativlos vermittelt. Kritiker werden als Leugner diffamiert, Zensur als „Faktencheck“ legitimiert und Menschen, die eine sachliche Diskussion der Corona-Maßnahmen anstreben als „Schwurbler“ bezeichnet und damit ins Lächerliche gezogen.     

Wie gelingt es staatlichen Stellen zu verhindern, dass Schülerinnen und Schüler gegen ganze Schultage unter der Maske und in eiskalten Räumen aufbegehren?

Man erklärt wissenschaftlich nicht bewiesene Behauptungen zu Fakten und definiert jeden, der sich auf die Realität beruft, als Verweigerer. Um die Massen zu lenken wird auf eine perfide Art und Weise Angst vor Gesunden erzeugt, in dem diese als potentiell symptomlos Erkrankte und damit als Gefährder eingestuft werden. Positiv Getestete werden mit Infizierten und Erkrankten gleichgesetzt, sodass jeder Massentest von Gesunden haufenweise Panik und Hausarrest-Anordnungen zur Folge haben wird.  Die „Corona-Zahlen“ in den Schulen werden durch die geplanten Schnelltestes massiv ansteigen, doch werden meiner Einschätzung nach die durch die Maßnahmen ausgelösten psychischen Erkrankungen gegenüber den Corona-Symptomen in ihrer Schwere überwiegen.    

Ein weiterer Grundpfeiler der Gleichmachung zur Verstärkung des Gruppenzwangs ist durch das verordnete Tragen von medizinischen Masken entstanden. Diese Mund-Nase-Bedeckungen vernichten jeden Rest von Individualität. Und jeder FFP2-Masken-Träger wird gelobt als besonders „solidarisch“, da er andere effektiver vor sich selbst zu schützen bereit ist. Ob die Lehrer und Schüler, die stundenlang FFP2-Masken tragen, sich selbst damit im Gegenzug am effektivsten gesundheitlich schaden, bleibt dahin gestellt. Selbstgefährdung ist nur im Hinblick auf eine potentielle Corona-Infektion unzulässig.

Wie wird im System Schule damit umgegangen, wenn Personen, die der „Schulgemeinschaft“ angehören, aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können?     

Unsere  Regierungen kennen als Reaktion auf erfolglose Maßnahmen nur eine Antwort, sie verschärfen diese weiter. Und genau das ist auch bei der Maskenpflicht in Schulen geschehen, ausgeweitet von den Gängen auf die Schulhöfe und die Klassenzimmer müssen Schüler auf dem gesamten Schulgelände seit dem Herbst durchgehend eine Mund-Nase-Bedeckung tragen, mit wenigen kurzen Maskenpausen zum Essen und Trinken. Die Konzentrationsfähigkeit und das Wohlbefinden haben hierdurch erheblich gelitten, auch wenn gewisse Gewöhnungseffekte nicht zu vernachlässigen sind. Seit dem 22. Februar 2021 gilt eine weiter verschärfte Verordnung, die in erster Linie die Lehrer betrifft. Ein Unterricht ohne Maske ist nun unzulässig, selbst wenn der vorher geltende Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Seither werden Lehrkräften FFP2-Masken vom Dienstherrn zur Verfügung gestellt mit der Erwartung, dass diese auch „freiwillig“ genutzt werden. Während bislang Schüler und Lehrer mit Maskenbefreiung noch geduldet wurden, hat das Klima der Ausgrenzung mittlerweile auch hier Früchte getragen.

Mit Masken-befreiten Schülern werden „Vereinbarungen“ getroffen. Für die Teilnahme am Unterricht wird erwartet, dass die Maske überall außer am Sitzplatz und auch  in den öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg zur Schule dennoch getragen wird. Den Schülern wird ein Sitzplatz neben einem meist geöffneten Fenster in einem Mindestabstand von 1,5 Metern zum „nicht kontaminierten“ Rest der Klasse zugewiesen. Die Lehrkraft darf sich dem Schüler mit Attest nur dann nähern, wenn dieser für das Gespräch ohne Distanz kurzzeitig eine Maske aufsetzt, auch wenn die Lehrkraft selber auf einen FFP2-Schutz vertrauen darf. Menschen-verachtender geht es kaum mehr. Wie sich die Schüler bei dieser Stigmatisierung fühlen, interessiert die Pädagogen in keiner Weise. Ob psychische Schäden durch diese „Vorzugsbehandlung“ entstehen können, wird gar nicht erst diskutiert.   

Macht es epidemiologisch einen Unterschied, wenn nur eine einzige Lehrkraft an einer Schule im Unterricht keine Maske trägt?  

Lehrer, die keine Maske tragen können, werden erst gar nicht mehr in der Schule geduldet. Ein Attest schützt sie zwar vor der Entlassung aus dem Dienst, erlaubt jedoch nur noch die Arbeit im „Home-Office“, also das Stellen und Bewerten von Distanz-Aufgaben über Internet-Plattformen. Diese offensichtliche Diskriminierung wird mit dem Vorrang des Gesundheitsschutzes der Gemeinschaft gerechtfertigt, hinter dem auch das Recht auf Unterricht derjenigen Schüler zurückstehen muss, deren Eltern keine Bedenken haben.

Selbst wenn man von einer deutlichen Verhinderung von Ansteckungen durch das Maskentragen in Schulen ausginge, so wäre es dennoch für die Ausbreitung der Corona-Infektionen völlig unerheblich, wenn nur eine Person keine Maske trägt. Außerdem ist zu bedenken, dass nur Erkrankte die Infektion weitergeben können, es besteht nicht wie bei einer offenen Tuberkulose oder einer HIV-Infektion eine dauerhafte Ansteckungsgefahr. Und es sollte als selbstverständlich angesehen werden, dass sowohl Maskenträger als auch Maskenbefreite in Zeiten von Corona auch bei ganz leichten Erkrankungssymptomen Menschenansammlungen wie in Schulen präventiv meiden.  

Das eigentliche Problem beim Unterrichtseinsatz von Lehrern mit Maskenbefreiung ist bei realistischer Betrachtung nicht etwa eine stark vergrößerte Gesundheitsgefahr, die von dieser Unterrichtssituation definitiv nicht auszugehen droht. Es ist das Agieren von durch die Medien und ihr Umfeld aufgehetzten Eltern, die sich in der Sorge um das Wohl ihrer Kinder in Hass und Hetze regelrecht überschlagen.

Es sind sehr verletzende und teilweise auch wissenschaftlich betrachtet haarsträubende Behauptungen, die da ins Feld geführt werden:

„Dabei vernachlässigen Sie aber schlicht, dass die von Ihnen in die Raumluft abgegebenen Aerosole sich u.U. länger in der Raumluft halten können. Damit ist dann nicht nur Abstand nötig, sondern eigentlich darf der ‚Luftraum‘, in dem Sie sich bewegt und in dem Sie ausgeatmet haben, von keiner anderen Person mehr durchquert werden, bevor hier nicht desinfiziert wurde.“

„Als Eltern können und werden wir es schon allein deshalb nicht akzeptieren, unsere Kinder Menschen ‚auszusetzen‘, die ihre Mitmenschen nicht schützen wollen oder können. Denn auch wenn sich Kinder vielleicht nicht so schnell infizieren, sie können aber doch das Virus überragen.“

„Sollten Sie tatsächlich ohne Maske unterrichten, werden wir auch eine entsprechende Beschwerde einreichen. Eine Anzeige wegen versuchter Körperverletzung – da Sie absichtlich keine Maske tragen, ist hier Fahrlässigkeit ausgeschlossen – behalten wir uns auch für den Fall vor, dass Sie gemeinsam mit einem unserer Kinder in gleichen Raum sind bzw. den gleichen Flur teilen.“

„Darüber hinaus können Menschen, die sich infiziert haben, auch durchaus schon während der Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen andere anstecken. Anders gesagt: Sie könnten im Extremfall bis zu zwei Wochen in der Schule sein, bevor bei Ihnen erste Symptome zu erkennen sind. Wie viele anderen Menschen Sie in dieser Zeit anstecken könnten, dürfen Sie dann jetzt gern selbst ausrechnen.“

„Das Tragen der Maske zum Schutz anderer ist ein Zeichen großen Respekts, den die Kinder jeden Tag in der Schule jeder Lehrerin und jedem Lehrer und all ihren Mitschülerinnen und Mitschülern entgegen bringen. Wer keine Maske tragen kann oder will, nimmt nicht am Schulalltag teil.“

Es sind Äußerungen wie diese, die Schulleitungen und Bezirksregierungen kapitulieren lassen.

„Wenn Sie ein Bild der Zukunft wollen, stellen Sie sich einen Stiefel vor, der unaufhörlich in ein menschliches Gesicht tritt.“

Die  neuartige „Sozialisation“ im Schatten der Corona-Schutzmaßnahmen ist erschreckend.  

Was für eine Gemeinschaft wird da gefördert, wenn Menschen mit Masken-Problemen ausgegrenzt werden, weil die Angst vor dem Atem des Gegenübers das logische Denkvermögen ausschaltet?  

Was wird aus einer Gesellschaft, in der das Gefühl der Irrealität das alltägliche Leben beherrscht?

Was nennen wir Solidarität, wenn das selektive Mitgefühl die Menschlichkeit ersetzt?   

  

Das Gefühl der Irrealität

Das selektive Mitgefühl

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