Wie die Stadt Bochum das Autofahren unattraktiv machen will

Tempolimits, Parkverbote und Fahrverbote im Namen der Klimaverbesserung, der Gesundheit und der Sicherheit – das sind die geplanten Maßnahmen zur Erzwingung der Mobilitätswende in zahlreichen Großstädten Deutschlands. Laut WAZ soll auch der Stadtsprecher von Bochum Peter van Dyk geäußert haben, dass das Autofahren unattraktiv gemacht werden müsse, um die Klimaziele zu erreichen. Zur ideologischen Umerziehung erscheinen der Bochumer Ratsmehrheit aus SPD und Grünen wohl alle Mittel als zulässig, die dazu geeignet sind, die Nerven der Autofahrer möglichst effektiv zu zerrütten.

 

https://www.derwesten.de/staedte/bochum/bochumer-wettert-gegen-massnahme-auf-strasse-eine-katastrophe-das-kann-so-nicht-bleiben-id226212729.html

am 19.06.2019 um 07:44 Uhr

Der Bochumer Politiker Schmidt hatte im März die Online-Petition „Schluss mit Tempo 30“ gestartet. Diese läuft nun bald aus…

Fakt ist allerdings auch: Seit der Einführung des Tempolimits auf der Herner Straße sind die Belastungswerte gesunken. Waren sie noch vor der Maßnahme bei bis zu 51 Mikrogramm pro Kubikmeter hoch, pendeln die Stickoxidwerte nun zwischen 36 und 48 Mikrogramm pro Kubikmeter“, teilte Stadtbaurat Markus Bradtke Ende April mit, als das Landesamt für Natur und Umweltschutz die Ergebnisse der Messungen veröffentlichte.

„Wir haben keine Veranlassung das Tempolimit zurückzunehmen. Es hat sich absolut bewährt“, macht auch Stadtsprecher Peter van Dyk. Auch sei Sicherheit ein wichtiger Faktor, da Schulen und Kindergärten an der Verkehrsroute lägen.

Die gesunkenen Belastungswerte waren vor dem Start der Petition noch nicht bekannt, Schmidt räumt diesen Erfolg auch durchaus ein. Doch: „Das kann jetzt einfach nicht so bleiben,“ meint er aber. Die Autofahrer würden jetzt einfach Umwege in angrenzenden Wohngebieten fahren. So verteile sich die Emission nur anders. Das sei keine Lösung, nur eine Verschiebung…

Um das Klima zu verbessern und die Schadstoffe zu senken, müsse „das Autofahren unattraktiv werden“, so der Stadtsprecher. Nach jetzigem Stand sind etwa 60 Prozent der Bochumer mit dem Auto unterwegs, und 40 Prozent nutzen alternative Wege (Rad, zu Fuß oder den ÖPNV). „Diese Zahlen wollen wir drehen“, so Dyk…

 

Auf der Herner Straße gibt es seit dem Tempolimit – ohne grüne Welle – im Berufsverkehr und oft den halben Tag lang kein Vorwärtskommen mehr. Und ist die breite Straße abends dann mal frei, landet selbst ein umsichtiger und prinzipiell Geschwindigkeitsbegrenzungen respektierender Autofahrer ganz schnell in einer Blitzerfalle. Es genügt, einen Moment lang den Tachostand nicht zu fixieren, da das Schneckentempo auf der breiten Hauptverkehrsstraße schlichtweg als unnatürlich empfunden wird. Die Stadt Bochum ignoriert ganz bewusst die Erkenntnis des Bundesverkehrsministeriums. Tempo 30 führt nicht zu geringeren Stickstoffoxid-Emissionen –  außer man vertreibt damit die Autofahrer.

 

https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article185689338/In-der-Tempo-30-Falle.html

Veröffentlicht am 18.12.2018 

Von Nikolaus Doll

Das Bundesverkehrsministerium kommt jedoch nach Informationen von WELT zu dem Ergebnis, dass eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit keine Minderung des Stickoxid-Ausstoßes durch Diesel-Fahrzeuge bringt… Entscheidend für eine Reduzierung des Schadstoffanteils in der Luft sei „in aller Regel eine Verstetigung des Verkehrsflusses“, weniger die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit, schreibt der Staatssekretär: „Auf weitgehend ebener Strecke und bisher schon gutem Verkehrsfluss bewirkt ein Tempolimit auf 30 Stundenkilometer im Vergleich zu Tempo 50 höhere Stickoxid-Emissionen.“ Das Fazit: Tempo-30-Zonen könnten die Schadstoffbelastung in der Luft sogar steigern…

 „Bei den Stickstoffoxid-Emissionen führt gleichmäßige Geschwindigkeit zu niedrigeren Emissionswerten, während ein unruhiger Geschwindigkeitsverlauf (Wechsel zwischen Beschleunigung und Abbremsen, Stop and Go) höhere Emissionen zur Folge hat.“…

 

Die gesunkenen Stickoxid-Werte an der Herner Straße sind meiner Ansicht nach im Berufsverkehr weniger den die Alternativrouten nutzenden Pkw-Fahrern zu verdanken als vielmehr einer leicht gesunkenen Anzahl an Lkws. Durch den Dauerstau auf der Herner Straße wird dort zu Stoßzeiten ohnehin die maximal mögliche Menge an Pkw-Abgasen ausgestoßen. Lediglich die Lkw-Fahrer könnten teilweise davon abgehalten werden, diese Strecke als Abkürzung zu nutzen, gerade weil dort alles steht. Da Lkw-Diesel einen größeren Stickoxid-Ausstoß verursachen als Pkws würde dies die geringfügige Verringerung der Werte zu den Stoßzeiten (Annahme auf 48 von ca. 51 Mikrogramm pro Kubikmeter) erklären können. Ich selbst vermeide die Herner Straße auch spät abends, da zu diesen Zeiten nahezu jede Alternativroute schneller ist.

Neben der in den letzten Monaten massenhaft eingeführten „Sicherheitszonen“ vor Kindergärten möchte die Stadt Bochum nun auch den Lärm durch den Ausbau der Tempo-30-Zonen reduzieren.

 

https://www.radiobochum.de/artikel/bochum-soll-leiser-werden-351613.html

Veröffentlicht: Dienstag, 01.10.2019 05:24

Lärm macht krank. Deshalb will die Stadt, dass es an besonders lauten Straßen leiser wird. Z.B. durch leiseren Asphalt oder durch Tempo-30-Zonen. Dafür hat die Stadt schon mit der Hochschule für Gesundheit eine Onlinebefragung unter Bochumerinnen und Bochumern durchgeführt. Sie will jetzt die Ergebnisse in allen Stadtbezirken veröffentlichen und mit uns Bochumern diskutieren…

 

Nicht nur Lärm macht krank – den größten Stress produzieren unsere Volksvertreter zurzeit bei der arbeitenden Bevölkerung dadurch, dass es einem Großteil der Arbeitnehmer nicht mehr möglich ist, in annähernd annehmbaren Zeiten einigermaßen zuverlässig den Arbeitsplatz zu erreichen.

Tempo 30 direkt vor Schulen ist sinnvoll – vor Kindergärten oder Altersheimen an gut ausgebauten Straßen mit breitem Fußgängerweg jedoch eine Zumutung für die Autofahrer. Kindergarten-Kinder werden in der Regel morgens gebracht und mittags oder nachmittags von ihren Eltern abgeholt. Sie laufen nicht alleine zum Kindergarten. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung wie an der Karl-Friedrich-Straße oder der Prinz-Regent-Straße zwischen ca. 7 und 16.30 Uhr ist nicht mehr als eine als weitere Schikane im rot-grünen Maßnahmen-Katalog zur Entmutigung der Autofahrer. Außerdem werden hierdurch neue attraktive Standorte für die inzwischen deutlich ausgeweitete Blitzer-Abzocke der Stadt Bochum geschaffen.

 

Karl-Friedrich-Straße Bochum: Schleichen für den Kindergärten, der geschützt hinter dem großen Parkplatz neben der Kirche liegt 

 

Wegen der vielen Baustellen fahre auch ich seit einigen Monaten öfters  mit dem Fahrrad zur Arbeit. Auf den knapp 9 Kilometern bin ich beinahe genauso schnell wie mit dem Auto – bei geringerem Stress. Der Umstieg auf das Fahrrad ist jedoch nichts für jeden Tag und jedes Wetter. Man muss schon ausreichend fit sein, eine Möglichkeit haben, sich umzuziehen oder einer Arbeit nachgehen, auf der man auch verschwitzt erscheinen kann, wenn man dieses Transportmittel jeden Tag für den Weg zur Arbeit nutzen möchte. Mit dem Bus wäre ich doppelt so lange wie mit dem Fahrrad unterwegs. Wer weit pendeln muss oder aber eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hat, der kann oft nicht auf das Auto verzichten. Mehr als 150 000 Berufspendler sollen im Jahr 2015 täglich über die Bochumer Stadtgrenze gependelt sein. Diese Menschen werden durch die Politik gegen die Autofahrer enorm belastet, sowohl finanziell als auch physisch und psychisch – ohne dass sie auf Alternativen zurückgreifen könnten.

Die ablehnende Haltung gegenüber den Bedürfnissen von Autofahrern macht sich auch bei der Ausweitung von Parkverboten bemerkbar. In den Innenstädten entstehen immer mehr  kostenpflichtige Anwohnerparkzonen. Andere Parkmöglichkeiten werden „bewirtschaftet“. Auch private Interessen können derzeit wohl kostenneutral von Geschäftsleuten durchgesetzt werden. So dürfte vor dem Kiosk an der Neulingstraße in Bochum während der letzten 20 Jahre stets geparkt werden, auch wenn die Beschilderung hier nie ganz eindeutig war.

 

Neues Parkverbot vor dem Kiosk Neulingstraße in Bochum

 

Das vordere Parkverbotsschild existiert schon seit langem, wurde jedoch bislang von niemandem auf die beiden durch Steine markierten Parkflächen vor und kurz hinter dem Kiosk bezogen. Nun hatten die neuen Kiosk-Betreiber nach eigenen Angaben bei der Stadt Bochum das hintere Schild mit einer eindeutigen Eingrenzung der Parkverbotszone beantragt, damit die drei Parkplätze ausschließlich ihren Kunden zum Halten zur Verfügung stehen. Das Schild steht noch nicht lange und seither wagen es nur noch wenige, ihr Fahrzeug zu den Öffnungszeiten des Kiosks dort abzustellen. An der Neulingstraße fehlt es an Parkplätzen. Das passt in das Konzept der Stadt Bochum, denn die Verknappung des Parkraums scheint Teil des Maßnahmen-Katalogs zu sein, mit dem das Autofahren in Bochum unattraktiv gemacht werden soll. Wer sein Auto kaum mehr bei sich zu Hause abstellen kann wagt es vielleicht seltener, das Fahrzeug weg zu bewegen…

 

Was wird das Jahr 2020 verkehrspolitisch für Bochum bringen?

Werden wir Umweltspuren erhalten nach dem Vorbild von Düsseldorf, wo sich Fahrradfahrer, Elektroautos, Taxis, Fahrgemeinschaften mit mindestens drei Personen (ohne Kinder) und Busse gegenseitig ausbremsen?

„Die Umweltspur: schnell und sicher ans Ziel!“

 

Dem Irrsinn sind keine Grenzen gesetzt!

Ich halte das Ziel, den Autoverkehr in den überfüllten Innenstädten der Metropolen zu reduzieren, durchaus für erstrebenswert. Wir stehen im Ruhrgebiet zu den Hauptverkehrszeiten regelmäßig kurz vor dem Verkehrskollaps. Und es steht außer Frage, dass Auto- und Lkw-Abgase die Umwelt belasten. Ein Umstieg auf Bus und Bahn oder das Fahrrad könnte ganz ohne Zweifel helfen, doch lässt sich eine Mobilitätswende nicht mit der Brechstange erzwingen. Unausgegorene Schnellschüsse wie Tempolimits und die Umwidmung von Fahrspuren in Bus-, Elektroauto-  und Fahrradspuren verstärken lediglich das Chaos. Selbst wenn durch die abnehmende Attraktivität des Autofahrens ein gewisser Prozentsatz auf das Auto verzichten würde, so könnte hierdurch maximal der Zustand vor der Einführung der zusätzlichen Ausbremsmaßnahmen wieder hergestellt werden.  Bei fehlenden Fahrspuren und Tempo 30 in weiten Teilen der Stadt blieben die Straßen auch bei den gewünschten 20 Prozent weniger Pkws weiterhin zu den Stoßzeiten verstopft – und das auf einem Großteil der Streckenabschnitte – besonders in den Rückstaus vor den Umweltspuren –  auch für die Busse.

 

2 Kommentare zu „Wie die Stadt Bochum das Autofahren unattraktiv machen will

  1. Ach ja, bei den StadtVätern zieht langsam aber sehr sicher die Verblödung ein. Hat was, finde ich.
    Auch wenn die Grenzwerte wirklich im Meßbereich gesunken sind (wer hat das überprüft?), so hat der Petent recht: Es ist nur eine Umverteilung – und daher Augenwischerei, derjenigen, die auf dem Klimatrip unterwegs sind, das wir schon seit Bestehen der Erde haben. Wo sind die denn zur Schule gegangen?

    Liken

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