Facebook-Zensur durch das „Faktencheck-Correctiv” – Satire oder Falschmeldung?

Auf dem Praxisworkshop „Ausbildung zur FaktencheckerIn“:

Essen 2019

Ausbilderin: Herzlich Willkommen im CheckJetzt-Team. Ihr habt euch alle bereits im Online- Workshop bewährt. Nun seid ihr auf der Zielgeraden. Wir sind einer der großen Arbeitsgeber der Zukunft für junge engagierte Journalistinnen und Journalisten. Das Internet muss wieder von den Medien zurückerobert werden, die von ausgebildeten echten Journalistinnen und Journalisten beliefert werden. Wir suchen nicht nur Journalistinnen und Journalisten für unser stetig wachsendes Team, sondern auch Wissenschaftlerinnen  und Wissenschaftler und andere Frauen und Männer, die sich vorstellen können, Falschmeldungen mit innerer Überzeugung zu begegnen.

Zwei Beispiele: Alina hatte bereits journalistische Erfolge zu verzeichnen, als sie zu uns stieß. Als Online-Redakteurin deckte sie auf, wie Facebook instrumentalisiert wird, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Damit wird jetzt Schluss sein. Ihr alle werdet zukünftig von Facebook bezahlt. Das Unternehmen möchte endlich den Ruf loswerden, von der rechtsextremen Szene zur Verbreitung von Hass missbraucht zu werden. Ihr seid die Vorkämpfer für einen Kampf gegen rechten Hass und rechte Fake-News im Netz. Ihr entscheidet zukünftig, was die Wahrheit ist und was als Falschmeldung in seiner Verbreitung eingeschränkt wird. Die Welt wird stolz auf euch sein. Wir alle sind schließlich für ein buntes offenes Europa, in dem Deutschland seiner historischen Verantwortung gerecht wird. Nachrichten, die dem Konsens eines friedlichen Miteinanders und dem Respekt vor anderen Religionen und Kulturen nicht gerecht werden, müssen in ihrer Verbreitung massiv behindert werden.

Timo ist einer unserer großartigen Stützpfeiler in der Recherche gegen Rechtsextremismus. Ihm gelang es 2018, die Behauptung des damaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen für Zeit Online zu widerlegen. Ihr erinnert euch an die unsäglichen Behauptungen, das Video der Hetzjagd von Chemnitz sei nicht authentisch gewesen. Timo hat dann auch maßgeblich an der Erweiterung unseres Online-Tools mitgewirkt, mit dem wir potentielle Falschmeldungen prüfen. Timo, bitte erkläre den zukünftigen Kämpfern für die Wahrheit, wie unser Tool funktioniert. Applaus!!

Timo: Ich habe zwei einfache Beispiele für euch ausgearbeitet. Als erstes wollen wir uns mit Herrn Maaßen beschäftigen. Das Tool sucht in dem an Facebook gemeldeten Artikel nach Aussagen, die mehrdeutig sind. Herr Maaßen sagte wörtlich: „Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist.“ Maaßen hat später versucht sich herauszureden, er will lediglich angezweifelt haben, dass das Video „authentisch“ eine „Menschenjagd in Chemnitz“ belege. Unser Tool baut auf dieser nicht eindeutigen Aussage eine Argumentationskette auf. Ihr müsst in solchen Fällen mit möglichst vielen Zitaten aus der Google-Recherche belegen, dass das Video selbstverständlich keine Fälschung ist. Fragen? Da hinten, bitte! Und stelle dich uns ganz kurz vor.

Lara: Ich habe bislang über diese großartige Jugendbewegung Fridays for Future geschrieben und werde wohl auch in dieser Sparte des Correctivs gegen Klimaleugner mitwirken. Trotzdem möchte ich fragen, wie man etwaigen Gegenargumenten begegnet. Die Rechtspopulisten haben dann ja verbreitet, dass der Hetzjagd eine Provokation durch einen der Gehetzten vorausgegangen sein soll.

Timo: Lara, schau mal auf Punkt drei der Tool-Benutzung, Grundlagen der Textverfassung. Du hast wie jeder Teilnehmer das Workshop-Material vor dir liegen. Ich lese vor: Jeder Artikel des Correctivs schließt mit einem Fazit ab, dass die falschen oder teilweise falschen Behauptungen kurz zusammenfasst und den Gesamtbeitrag als teilweise falsch bewertet. Eine Rücknahme dieser Bewertung ist nicht vorgesehen. Für etwaige Beschwerden über die Einschränkung der Verbreitung ist Facebook zuständig. Das Correctiv liefert nur die schlüssige Beweiskette für die Falschbehauptungen.

Lara:  Also müssen wir mit der Gegenseite nicht diskutieren. Gut!

Timo: Zu unseren neutralen und fundierten Bewertungen können die Leser Kommentare abgeben. Nun zu meinem zweiten Beispiel. Das dürfte dir gefallen, liebe Lara. Mehrere rechte Webseiten haben Beiträge dazu verfasst, dass sich angeblich 500 Wissenschaftler gegen die aktuelle Klimapolitik gewandt und die Gefährlichkeit des Klimawandels bestritten hätten. Um euch unser Tool bei der Arbeit zu zeigen, gebe ich mal den Text von Epoch Times als Ganzes ein. Das Tool markiert uns in rot die Zahl 500 und in blau den Zusatz Wissenschaftler. Damit müsst ihr anfangen. In der Regel wird bei solchen Angaben unzulässig verallgemeinert oder unvollständig übersetzt. Ihr überprüft, ob es sich bei allen Unterzeichnern um Klima-Wissenschaftler handelt, was natürlich nicht der Fall ist. Im englischsprachigen Online-Artikel aus The Washington Times werden als Unterzeichner 500 internationale Wissenschaftler, Ingenieure und Angehörige anderer kritischer Interessengruppen aufgeführt. Als nächstes nehmt ihr die Unterzeichner unter die Lupe. Ein Honorarprofessor oder ein außerplanmäßiger Professor lässt sich als Hochschulprofessor nicht bestätigen –  und das setzt seine Glaubwürdigkeit doch erheblich herab, oder meine Freundinnen und Freunde?  Es genügt regelmäßig, wenn ihr derartig offensichtliche Schlussfolgerungen nur andeutet. Kritische Nachfragen durch Facebook sind von Facebook nicht vorgesehen. Separat aufzuführen ist immer die Zahl der Unterzeichner, die in Rente sind. Ihr suggeriert, dass diese ehemaligen Wissenschaftler nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Forschung sein können.  Bei den anderen Unterzeichnern werden Verbindungen zu klimakritischen Seiten aufgedeckt, Interessenüberschneidungen mit Unternehmensinteressen oder Verbindungen zur Wirtschaft und zu Organisationen, die die Glaubwürdigkeit der Unterzeichner in Zweifel ziehen, ihre wissenschaftliche Neutralität. Ihr versteht das Konzept. Jeder Unterzeichner hat irgendwo auch ein persönliches Interesse. Durch angebliche Gegen-Experten sollen Zweifel gesät werden zum menschengemachten Klimawandel. Unsere Erde ist bedroht durch unser CO2 und die Rechtspopulisten versuchen, die Rettung des Klimas zu verhindern. Es ist unsere heilige Pflicht, ihnen das Publikum zu nehmen.

Um nicht auf jede Behauptung eingehen zu müssen bestätigt ihr, dass ein Teil der Behauptungen zutreffend ist. Unser Ziel ist es, die Aussagen als teilweise falsch einzustufen. Pauschal begründen lässt sich eure Entscheidung im Fazit durch die Tatsache – und die ist ja die Basis unseres Handels –   dass die falschen Aussagen der von uns bewerteten Online-Artikel der staatlich anerkannten Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen widersprechen. Eure Bewertung muss ausführlich begründet sein, aber nicht unbedingt übersichtlich. Je mehr Punkte aufgeführt werden, desto überzeugender wirkt die Argumentation auf die mehrheitlich nicht allzu gut informierte Öffentlichkeit. Die meisten werden kaum unsere gesamte Bewertung lesen. Das Fazit ist entscheidend. Und wenn die Staatsfeinde unsere Argumentation auseinander zu nehmen versuchen, wird das so lang, dass es auch niemand mehr liest. Ha, ha!

Ausbilderin: Danke, Timo! Ihr seht, worauf es ankommt. Ein Stückchen Humor gehört auch dazu. Ihr werdet in den einzelnen Arbeitsgruppen Fallbeispiele zu allen zentralen politisch kontrovers diskutierten Themen bearbeiten.

Unser Check-Tool enthält noch weitere wichtige Funktionen. Sascha wird euch kurz die Check-Funktion „Daumen hoch Daumen runter“ erklären. Stell dich kurz vor, Sascha!

Sascha: Ich habe 20 Semester Jura studiert und mich in dieser Zeit bei der Antifa im Kampf gegen den Faschismus engagiert. In dieser Zeit habe ich bei zahlreichen Demonstrationen gegen Rechts in beratender Tätigkeit im Ermittlungsausschuss mitgewirkt. Beim Correctiv betreue ich die Liste der zitierbaren und nicht-zitier-geeigneten Internetseiten und Experten. Die Daumen-hoch-Seiten enthalten alle Quellen, die ihr als Beleg für die Wahrheit aufführen könnt. Eine Filter-Suchfunktion zeigt euch die thematisch passenden Quellen für eure Bewertung an. Daumen-hoch-Seiten müssen vom Correctiv grundsätzlich nicht auf Falschmeldungen hin überprüft werden. Sie haben das Siegel „glaubwürdig“ erhalten. Die Daumen-runter-Seiten werden von uns regelmäßig bewertet und können nicht als alternative Meinung zitiert werden,  selbst wenn es sich um die Seiten von Wissenschaftlern oder Forschungseinrichtungen handelt.  Diese Informationsquellen sind als „den Stand der Forschung und der allgemein anerkannten Fakten ignorierend“ eingestuft worden. Unser Tool markiert euch jede unglaubwürdige Quelle in Gelb.

Ausbilderin: Danke, Sascha! Facebook wird staatlich kontrollierte Medien kennzeichnen, denn nur diese haben die strategische Unterstützung eines Staates.  Wenn unabhängige Faktenprüfer wie wir eine Nachricht als nicht wahr einstufen, wird bei Instagram ein Hinweis erscheinen, wenn diese Nachricht geteilt werden soll und auf Facebook werden solche Inhalte seltener im Newsfeed erscheinen. Und das ist erst der Anfang. Die Bundesregierung arbeitet an neuen Gesetzesvorschlägen, um eine Löschung von Falschmeldungen künftig erzwingen zu können. Es wird über eine Zertifizierung von privaten Internetseiten durch unabhängige Faktenprüfer nachgedacht. Nicht vertrauenswürdige Seiten müssen dann vom Provider gesperrt werden. Ihr seht, dass Recherchezentren als gemeinnützige Gesellschaften sehr attraktive Arbeitgeber sind für junge Journalistinnen und Journalisten, die etwas bewirken wollen. Unser Gründer und Geschäftsführer hat gute Kontakte zu zahlreichen Staatsmedien. Er hat als Journalist für die taz, die Süddeutsche Zeitung, die Welt-Gruppe und den von ihm mit gegründeten Blog Ruhrbarone geschrieben und war bei der damaligen WAZ-Gruppe, heute Funke-Gruppe für das Investigativ-Ressort zuständig. Unser Hauptspender ist daher die WAZ-nahe Broststiftung. Unterstützt werden wir auch von Google, Facebook, anderen Medien- und George-Soros-nahen Stiftungen sowie von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, um nur einige der Spender zu nennen, die uns Unabhängigkeit und Neutralität garantieren. Unsere Bewertungen besitzen deswegen in der Gesellschaft ein ganz hohes Potential an Vertrauenswürdigkeit.

Bevor ihr startet möchte ich euch noch kurz unser neustes Projekt vorstellen, den Satire-Check. Wenn unsere Redaktion eine Nachricht als falsch einstuft, verringert Facebook die Reichweite aller betroffenen Beiträge. Bei wiederholten Falschmeldungen verlieren die Seiten die Möglichkeit, Geld für ihre Beiträge zu erheben oder Anzeigen zu schalten. Den Seiten mit rechtem Gedankengut können wir mühelos die erforderliche Anzahl an Falschmeldungen nachweisen. Ein Problem haben wir mit den sogenannten Satireseiten. Wenn wir einen Beitrag als „Satire“ einstufen, kann Facebook seine Verbreitung nicht einschränken. Wir haben daher neue Kriterien für die Bewertung von Satiren festgelegt, die es uns ermöglichen, schlecht gekennzeichnete oder zu real wirkende Satiren als Falschmeldungen einzustufen.  Eine Satire ist immer dann keine Satire, wenn sie nicht gleichzeitig lustig ist, einen offiziell anerkannten staatlichen Missstand kritisiert und ohne Mühe als Satire zu erkennen ist. Hierzu reicht es nicht aus, dass da Satire drüber steht. Wenn Fake-News die Basis der Kritik an der Politik, der Gesellschaft oder an zentralen Ideen bilden, dann wird die Wahrheit in ein falsches Licht gerückt. Diese Satiren erklären wir konsequent zu Falschmeldungen. Sie verbreiten Hass. Wir sind kein Zensur-Korrektiv, sondern eine Korrektur-Einheit zur Eliminierung von falschen Meinungen genannt Fake-News. In jeder Recherche finden sich Fehler oder zumindest  Ungenauigkeiten. Das kennen wir alle doch aus eigener Erfahrung! Viel Spaß und ran an die Arbeit!

Faktenchecker Klimawandel

 

„Fazit“: 

Das Correctiv https://correctiv.org/  ist traurige Realität, die uns im Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit längst Makulatur.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 5

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

 

Ausgerechnet von Kurt Tucholsky habe ich einige Zitate gefunden, die von universeller Gültigkeit sind und heute leider wieder zunehmend an Bedeutung gewinnen.

„Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat.“

„Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind.“

„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

„Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern gut gemeint.“

 

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