Satire: „Runderlass zur Förderung der Lehrergesundheit“

 

Handreichung des Personalrats zu den Richtlinien für den individuell strukturierten Unterrichtseinsatz von Lehrkräften:

Zur Steigerung der gefühlten Zufriedenheit sind Wünsche für den Unterrichtseinsatz zu berücksichtigen, insofern sie den Erfordernissen der Schule Rechnung tragen und der Einschätzung der Schulleitung bezüglich der allgemeinen Leistungsstärken der jeweiligen Lehrkraft entsprechen.

Als Grundlage zur Erstellung des Rahmenplans müssen alle Stundenplanprogramme nach dem Zufallsprinzip arbeiten. Es gilt die Vorgabe, dass alle Pläne ein Minimum an Springstunden aufweisen sollen, um die Belastung möglichst gleichmäßig auf das Kollegium zu verteilen.  Die Vorschläge des Programms müssen manuell veränderbar sein, um  Vorgaben in Form von besonderen Einschränkungen der Leistungsträger eines Kollegiums angemessen berücksichtigen zu können.

Eine bevorzugte Behandlung eines Kollegen oder einer Kollegin aus gesundheitlichen Gründen ist den Vorgaben der Bezirksregierung folgend stets dann zu bejahen, wenn Wiedereingliederungsmaßnahmen nach langer Erkrankung angeordnet werden oder wenn ein Amtsarzt die Notwendigkeit einer gesonderten Behandlung zwecks Erhaltung der Arbeitskraft anerkannt hat. Um Unstimmigkeiten im Kollegium zu vermeiden, müssen andere krankheits- oder konstitutionell bedingte Wünsche nach einer punktuellen Reduktion der Belastung unberücksichtigt bleiben. Lehrkräfte haben grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Mittagspause oder eine geregelte Pausenverordnung, da für die Beaufsichtigung der Schülerinnen und Schüler das Vorrangs-Prinzip gegenüber dem Ruhebedürfnis der Lehrkräfte gelten muss. Ein Arbeitseinsatz von bis zu sechs Zeitstunden ohne Pausen ist zumutbar und wird generell als bedenkenlos für die Lehrergesundheit eingestuft.

Außergewöhnliche Belastungen bei Stundenplänen sind im Hinblick auf die Fürsorgepflicht der Dienstvorgesetzten gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern grundsätzlich zu vermeiden. Allerdings sei hierzu angemerkt, dass einige wenige Stundenpläne aufgrund spezieller Erfordernisse besondere Härten aufweisen dürfen.

Als Standpfeiler des Programms Lehrer-Gesundheit sind regelmäßig Fortbildungstage zum Thema Anti-Stress-Training und Zeit-Management durchzuführen. Auf der Basis des real existierenden Stundenplans ermittelt hierbei jede Kollegin und jeder Kollege, wo Freiräume für die Unterrichtsvorbereitung,  für Korrekturen, Versuchsvorbereitungen oder das Kopieren liegen können. Für die Unterrichtsvorbereitung und für das Korrigieren sind laut Erlass Zeitkontingente in den Abendstunden und am Wochenende einzuplanen. Freie Zeiten für das Kopieren sowie für Versuchsvorbereitungen in experimentellen Fächern werden in den individuell auszufüllenden halbjährlichen Tätigkeitsberichten in freien Pausen oder Zeiten vor und nach Unterrichtende mit roter Farbe oder in den nur zeitweise zur Verfügung stehenden Bereitschaftsstunden mit grüner Farbe markiert. Eine Pause für die ungestörte gesunde Essensaufnahme muss nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen bei Erwachsenen nicht in der Mittagszeit liegen. Der Nachmittagsunterricht kann mit mehr Dynamik erteilt werden, wenn Lehrkräfte nicht mit einem vollen Magen arbeiten müssen. Eine minimale Nahrungszufuhr durch ein Brötchen oder einen Salat im Stehen genügt, um die Konzentrationsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Da für Schülerinnen und Schüler das gesunde Mittagessen in den Mensen attraktiver gemacht werden soll, haben Lehrer als Vorbild aufzutreten und auf dem Schulhof weder Schokolade noch Kuchen oder andere ungesunde Kost zu verzehren.

Der Krankenstand im Kollegium ist nachhaltig zu verringern,  indem die besonderen Belastungen durch schwierige Lerngruppen und Nachmittagsunterricht  dem Leistungsvermögen entsprechend verteilt werden.

Zur Abdeckung des Nachmittagsbereichs und der notwendigen Vertretungsstunden sind daher bevorzugt die Lehrkräfte einzusetzen, die mit Schwerpunkt in den Jahrgangsstufen 6, 7 und 8 unterrichten, da diese bereits über eine besondere Erfahrung im Umgang mit anspruchsvollen Lerngruppen verfügen. Aktuelle Studien haben belegt, dass die Belastbarkeit generell mit der Belastung zunimmt. Allerdings bleibt die aufgebaute Stress-Resistenz nur dann erhalten, wenn die gestellten Anforderungen nicht unter das individuelle Grenzlimit sinken.

Die Entscheidungskompetenz bezüglich der anzustrebenden Belastbarkeit der einzelnen Lehrkräfte obliegt der Schulleitung.

Mittags-Aufsicht  von Lehrkräften auf dem Schulhof: gesund und rundum zufrieden

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