Das Rätsel um Merkels „Menscheln“ in der Flüchtlingskrise

Ein Mensch erlebt den krassen Fall, es menschelt deutlich – überall. Doch oft erkennt man weit und breit nicht eine Spur von Menschlichkeit.
Eugen Roth


Das Menschliche 
mit unmenschlichen Mitteln erzwingen zu wollen
ist genauso unmenschlich
wie das Unmenschliche zu belassen

© Gerald Dunkl

 

Ist Merkels „Menschlichkeit“ nur eine Maske oder zeigt die Bundeskanzlerin ihr wahres Gesicht?

 

http://www.merkur.de/leben/gesundheit/wenn-macht-weiblich-ist-gespraech-psychologin-felicitas-heyne-5874216.html

 

Was das Gesicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel verrät, hat „Facereading“ Expertin Tatjana Strobel in ihrem Buch „Der Blick hinter die Maske“ (Knaur-Verlag).

 

Trotz des geraden rechten Augenwinkels scheint der Realitätssinn von Frau Merkel durch die Flüchtlingskrise gelitten zu haben. Der Gesichtsausdruck als Ganzes mutet mittlerweile eher wirklichkeitsfremd und verstört an, aber die Zeit titelt ihren Artikel zu Merkels neuer Flüchtlingsaustausch-Politik mit der Türkei mit der völlig unpassenden Überschrift „Die realpolitisch gewendete Kanzlerin“.

 

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/angela-merkel-fluechtlingspolitik-realpolitik

Die realpolitisch gewendete Merkel

  1. März 2016

…Das alles mag kühl wirken angesichts der Schicksale der Hunderttausenden Flüchtlinge. Und es wird einige von ihnen wohl nicht davon abhalten, dennoch nach Wegen nach Europa und Deutschland zu suchen. Aber ist es der einzige Weg, die Flüchtlingskrise halbwegs in den Griff zu bekommen und dabei nicht nur Europa, sondern auch Deutschland und die anderen Mitgliedsstaaten gesellschaftlich zusammenzuhalten. Auch das sind ja wichtige Werte.

Humanität ist ein wichtiger politischer Impuls. Aber realistische Politik muss darüber hinaus verschiedene Interessen, auch den eigenen Machterhalt. Dieser Maxime folgt jetzt auch Merkel wieder…

 

Die Gesellschaft in Deutschland wird durch die weitere Aufnahme von Flüchtlingen – Obergrenzen wurden nach wie vor nicht festgelegt – noch tiefer gespalten und Europa wird sich endgültig von der von Merkel erhofften Solidarität verabschieden. Eine Wende sieht anders aus. Der tiefe Glaube von Angela Merkel, der sich in ihrer Aussage „wir schaffen das“ wiederspiegelt, ist ungetrübt.

 

Was bedeutet für Merkel der christliche Glauben?

 

https://www.evangelisch.de/inhalte/110755/01-11-2014/merkel-ueber-ihren-glauben-gott-wollte-keine-marionetten

01.11.2014

Angela Merkel in ihrer Heimatkirche Maria Magdalenen in Templin (Uckermark).

 

… Dass die CDU-Chefin kommt, liegt an der persönlichen Bindung Merkels an die rund 80 Kilometer nördlich von Berlin gelegene Stadt in der Uckermark. Angela Merkel, damals noch Kasner, ist hier aufgewachsen. In der Maria-Magdalenen-Kirche, in der die Regierungschefin am Freitag spricht, wurde sie konfirmiert. Ihre Mutter gehört bis heute zur rund 2.500 Mitglieder starken Gemeinde.

… In ihrer Rede geht es darum, was Christ zu sein in der Politik für sie bedeutet. Merkel, die äußerst selten Einblicke in ihr Privatleben gewährt und Religion lange Zeit als „Privatsache“ deklarierte, bekennt sich zu einem freiheitlichen Glaubensverständnis. Freiheit sei der Begriff, „der zentral ist, wenn es um die christliche Botschaft geht“, sagt sie. Sie fordert, im Rahmen dieser Freiheit Verantwortung zu übernehmen: „Gott wollte keine Marionetten, keine Roboter, keine Menschen, die einfach das tun, was sie gesagt bekommen.“

Die Kanzlerin erklärt in ihrer Rede, bei welchen politischen Herausforderungen der christliche Glauben sie besonders begleite. Zuallererst nennt sie die „Fragen von Krieg und Frieden“ – den Ukraine-Konflikt. Ein weiteres Beispiel sind für sie die steigenden Flüchtlingszahlen. Die Probleme der Welt könnten nicht allein durch „individuelle Solidarität“ gelöst werden, sagt sie. Entwicklungspolitik, die helfen soll, die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern, komme immer größere Bedeutung zu. Eine fertige Antwort auf das Flüchtlingsproblem, räumt die Kanzlerin ein, habe sie nicht.

 

Wie wurde Merkel zur „Kanzlerin der Menschlichkeit“?

Im Sommer 2015 kam der große Moment für Angela Merkel, als sie der Welt ihren Glauben offenbaren und ihr wahres Ich präsentieren konnte.

 

http://www.welt.de/newsticker/news1/article145809989/Merkel-mahnt-zu-Menschlichkeit-gegenueber-Fluechtlingen.html

31.08.15

Merkel mahnt zu Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen

 

Foto: AFPKanzlerin Merkel bei der Sommerpressekonferenz

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eindringlich zu Mitgefühl und Menschlichkeit gegenüber den Flüchtlingen in Deutschland aufgerufen und Gewalt und Hetze klar verurteilt. 

 

Anfang September 2015 entschied Merkel eigenständig und gegen geltendes Recht, die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge nach Deutschland zu holen und ging damit in die Geschichte ein – mit scheinbar grenzenloser politischer Barmherzigkeit. Sie wurde zum Idol der Flüchtlinge, zur Heilsbringerin und Deutschland damit zum gelobten Land für alle armen oder politisch verfolgten, durch Krieg oder Krankheit bedrohten Menschen aus Nordafrika und dem arabischen Raum.

 

https://www.tagesschau.de/inland/merkel-bamf-berlin-101.html

Selfie mit der Kanzlerin

11.09.2015 

Bundeskanzlerin Merkel war heute in Berlin auf Mutmach-Tour: Sie besuchte Flüchtlinge, lobte Projekte an Schulen und Träger von Unterkünften…

Bei der Integration setzt die Kanzlerin große Hoffnungen in die jüngste Generation. Ganze Familien könnten über die Kinder erreicht werden, „die dann im Kindergarten schon sehr schnell Deutsch lernen“, sagte Merkel. Bei ihrem Besuch wurde sie von Jugendlichen umringt, die Selfies mit der Kanzlerin machen wollten.

Merkel lobte auch die Integration von Flüchtlingskindern an den Berliner Schulen als Modell für ganz Deutschland: Jedem Neuankömmling sehr schnell einen Platz in einer sogenannten Willkommensklasse zu geben, sei ein sehr zukunftsweisendes Konzept, sagte Merkel nach dem Besuch der Berliner Ferdinand-Freiligrath-Schule. Solche Klassen sind für Flüchtlingskinder gedacht, die noch kein Deutsch sprechen. Merkel sagte: „Es gibt so viel Enthusiasmus bei den Kindern, so viel Bereitschaft zu lernen. Wir wollen ihnen eine gute Zukunft geben.“…

Doch auch für die Integration der Eltern und aller erwachsenen Flüchtlinge müsse noch mehr getan werden – vor allem bei ihrer Eingliederung in den Arbeitsmarkt…Im Idealfall sollten Flüchtlinge mit dem Bescheid einer Bleibeerlaubnis gleich in Stellen oder Ausbildungen vermittelt werden…

Dank sprach die Kanzlerin den sozialen Trägern aus, die Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge bereitstellen. Es sei beeindruckend zu sehen, „mit wie viele Liebe und Zuneigung die Flüchtlinge hier beherbergt werden“, sagte sie nach dem Besuch im AWO-„Refugium“ in Berlin-Spandau…

 

Merkel fabuliert von Flüchtlingen, die nach Erhalt ihrer Bleibeerlaubnis sofort Stellen oder Ausbildungsplätze erhalten sollten. In unserem „Land der Vollbeschäftigung“ träumen davon Millionen Arbeitslose. Aber vielleicht funktioniert es ja mit einem solidarischen Arbeitsplatzverzicht und der Verpflichtung für Arbeitgeber, Dolmetscher einzustellen, falls sich nicht deutsch sprechende Zuwanderer bewerben – wegen der Chancengleichheit.

In den Medien wird die „Willkommenskultur“ gepredigt, das christliche Abendland hat zwar längst seine Gläubigen verloren, aber nicht seinen Glauben verbunden mit der viel gepriesenen christlichen Nächstenliebe. Sie trifft zwar weniger die Nächsten, dafür aber die weit Entfernten und fördert eher die Erschaffung einer mehrheitlich muslimisch geprägten Gesellschaft.

Aber wer kann sich schon Merkels „humanitärem Imperativ“ entziehen.

http://www.stern.de/news2/merkel-rechtfertigt-auf-cdu-parteitag-grenzoeffnung-fuer-fluechtlinge-6603158.html

  1. Dezember 2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf dem CDU-Parteitag die Entscheidung verteidigt, im September tausende in Ungarn gestrandete Flüchtlinge ins Land zu lassen. „Das war nicht mehr und nicht weniger als ein humanitärer Imperativ“, sagte die CDU-Chefin in Karlsruhe. In der Nacht, als die Bundesregierung diese Entscheidung getroffen habe, sei „wie im Brennglas“ deutlich geworden, dass die Welt und Europa es „mit der größten Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg“ zu tun hätten.

 

Merkel wird eine moralische Führungsrolle durch die UNO bescheinigt, der erste Schritt zum lang erhofften Friedensnobelpreis.

 

http://www.welt.de/politik/deutschland/article149974164/Merkel-hat-die-moralische-Fuehrungsrolle-bewiesen.html

16.12.15    Vereinte Nationen

Guterres: Ich setze mich seit Langem dafür ein, mehr legale Wege nach Europa zu schaffen, um die sehr gefährliche Flucht über das Mittelmeer zu vermeiden und das Schlepperunwesen zu bekämpfen. Neben der Familienzusammenführung ist hierfür eine massive Aufstockung von Resettlement- beziehungsweise humanitären Aufnahmeprogrammen ein guter Ansatz. Das braucht aber viel mehr Plätze und Kapazitäten als bislang vorhanden. Bei einer entsprechenden Größenordnung kann eine solch organisierte Aufnahme in Kontingenten das individuelle Asylsystem auch wirksam entlasten, aber natürlich nicht ersetzen…

Guterres: Deutschland ist beispielgebend bei der Aufnahme von Flüchtlingen, bei der die Bundeskanzlerin eine moralische Führungsrolle bewiesen hat. Das Problem ist, dass lediglich Deutschland und eine Handvoll anderer Staaten – vor allem Schweden und Österreich – den Großteil der Asylsuchenden aufnehmen. Das kann so nicht bleiben…

Es braucht ausreichende Aufnahmekapazitäten, faire, zugleich effektive Asylverfahren und gezielte Integrationsmaßnahmen… 

 

Soll Europa etwa halb Afrika und den halben Nahen Osten aufnehmen und „integrieren“?

 

http://www.sueddeutsche.de/politik/pressekonferenz-in-berlin-un-chef-lobt-merkel-als-stimme-der-moral-schlechthin-1.2896986

  1. März 2016

… Während einer gemeinsamen Pressekonferenz hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihr Engagement in der Flüchtlingskrise gelobt.

Ban nannte Merkel „die Stimme der Moral schlechthin“ „nicht nur in Europa, sondern in der Welt insgesamt“. Die deutsche Regierungschefin sei „leidenschaftlich“ und „empathisch“ und habe immer wieder gesagt, dass „man Menschen in Not nicht den Rücken kehren“ könne…

Merkel erneuerte ihre Kritik an den Grenzschließungen entlang der sogenannten Balkanroute. Die Entscheidungen dazu seien einseitig gewesen. „Ich habe das nicht begrüßt, weil eben die Situation in Griechenland jetzt nicht nachhaltig ist.“ Griechenland sei der Leidtragende und müsse nun stabilisiert werden…

 

Wenn die deutsche Bevölkerung zu den Leidtragenden zählt, ist die Flüchtlingspolitik für Merkel wohl „nachhaltig“ genug und als Geste der Menschlichkeit zu werten. Wo zeigt sich Merkels Menschlichkeit gegenüber deutschen Obdachlosen oder Hartz IV-Empfängern, die wegen der Kürzung der Leistungen durch den Jobcenter kein menschenwürdiges Leben mehr führen können und frierend und krank in ihren von Strom- und Gassperre betroffenen Wohnungen hocken? Welche Zukunft will Merkel deutschen Kindern geben, als zukünftige Minderheit im eigenen Land und in Erwartung des Mindestlohnes als Einkommen, wovon schon jetzt ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung teilweise trotz guter Qualifikation leben muss?

Wenn auch in dem folgenden FAZ-Artikel belächelt so ist doch etwas dran an dem Vorwurf, die „Hypermoral“ sei zur Herrschaftsideologie gemacht worden.

 

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/arnold-gehlen-als-merkel-gegner-in-der-fluechtlingskrise-14030663.html

27.01.2016

… Das Editorial von Herausgeber Frank Böckelmann gibt den Ton vor: „Die Immigranten wenden die Hypermoral, zu der sich viele Deutsche in eitler Selbstlosigkeit aufschwingen, gegen die deutschen Institutionen.“ Geschichts- und „gesichtslos“ sei die Nation in den letzten Jahrzehnten geworden: „Nun bietet sich die Gelegenheit, eben diese Standpunktlosigkeit als Standhaftigkeit auszudeuten.“…

Der „Humanitarismus“, den Gehlen schon seit dem Zusammenbruch der griechischen Stadtstaaten als Dekadenzphänomen wahrnimmt, überdehne die Moral und überfordere den Menschen; denn zusammen mit dem „Masseneudämonismus“ trage er auch noch zur Schwächung der Institutionen bei, die allein es dem Menschen möglich machen, anständig zu leben – nicht zuletzt den Staat. Die Intellektuellen und Medienleute aber hätten die Hypermoral zu ihrer Herrschaftsideologie gemacht: „Teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt, in ihm zu leben.“…

 

Hofft Merkel, als „Schutzpatronin der Flüchtlinge“ in die Weltgeschichte einzugehen? Was wird aus der zunächst überschwänglich geäußerten Dankbarkeit mancher Flüchtlinge?

Wenn du einen verhungernden Hund aufliest und machst ihn satt, dann wird er dich nicht beißen. Das ist der Unterschied zwischen Hund und Mensch. 
(Mark Twain, amerikan. Schriftsteller, 1835-1903)

 

Merkel rückt keinen Zentimeter von ihrer Position ab, lässt sich durch nichts beirren.  Nicht die Vernunft, sondern nur ein überdimensionierter Glaube an die eigene Bestimmung kann meiner Ansicht nach zu solch einem Starrsinn führen. Als warmherziger mitfühlender Mensch ist Merkel bis vor kurzem eher nicht beschrieben worden. Sie möchte keine Marionette sein, entscheidet eigenwillig und selbstbestimmt. Allerdings steht sie als Bundeskanzlerin an der Spitze der Regierung nicht alleine da, ihre Partei hätte sie entmachten können, ein Misstrauensantrag aus dem Bundestag heraus wäre möglich gewesen. Man lässt sie gewähren –  es ist so gewollt –  und baut damit eine Verantwortliche auf, der später die alleinige Verantwortung für die Spaltung Europas und den Verlust von Sicherheit, Freiheit und Wohlstand in Deutschland  und Europa zugeschoben werden kann. Die Historiker werden fragen: wer war Merkel, warum hat sie die Menschlichkeit über deutsche und europäische Interessen gestellt? Und der Rest der politischen Kaste kann seine Hände in Unschuld waschen…

Das Abkommen mit der Türkei sieht auf den ersten Blick tatsächlich nach einer Abkehr Merkels von der uneingeschränkten „Willkommenskultur“ und dem „humanitären Imperativ“ aus, doch die Konditionen zeigen, dass die Umsetzung so ganz ohne deutsche  Menschlichkeit nicht zu handhaben sein wird.

 

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/eu-gipfel-tuerkei-abkommen-fluechtlinge-angela-merkel

  1. März 2016

… Trotzdem muss jeder Asylantrag in Griechenland einzeln geprüft werden. Es werde keine „kollektiven Ausweisungen“ geben, heißt es im Abschlussdokument. Wer also nachweisen kann, dass er in der Türkei nicht sicher ist, hat in der EU Anspruch auf Schutz…

Für jeden Syrer, der aus Griechenland in die Türkei zurückgewiesen wird, gelangt ein Syrer aus dem Land über legale Verfahren in die EU… In der Vereinbarung heißt es, dass diese Maßnahme zeitlich befristet ist und sich die EU-Staaten freiwillig an der Aufnahme der insgesamt maximal 72.000 Menschen aus der Türkei beteiligen können…

 

http://diepresse.com/home/politik/eu/4949302/EU-und-Turkei-einig-uber-Fluchtlingsabkommen?_vl_backlink=/home/index.do

18.03.2016

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ist mit den Ergebnissen des EU-Gipfels in Brüssel zufrieden, weil sein Land nicht zur Aufnahme von Flüchtlingen gezwungen wird… „Wir haben die größte Gefahr gebannt“, sagte der nationalkonservative Regierungschef am Freitag in Brüssel, wie die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Orban bezog sich damit darauf, dass keine Verpflichtung für EU-Staaten zur Aufnahme von Flüchtlingen festgeschrieben wurde.

 

Vermutlich wird Deutschland fast alle Kontingent-Flüchtlinge aus der Türkei aufnehmen, falls es überhaupt gelingt, die neu eintreffenden Flüchtlinge aus Griechenland zurück zu überführen. Es ist mit massiver Gegenwehr zu rechnen und Flüchtlingsaufstände, die blutig niedergeschlagen werden, liefern hässliche Bilder. Hier würde Merkel bestimmt wieder einspringen mit ihrem „humanitären Imperativ“ und die deutschen Grenzen für alle in Griechenland Gestrandeten öffnen. Die Ruhrgebietsstädte jedenfalls suchen weiter neue Standorte für Flüchtlingsunterkünfte, und dass sicherlich nicht nur, um die Turnhallen wieder frei räumen zu können. Das sieht nach einer Fortsetzung der Masseneinwanderung in leicht reduzierter Form mit Ankündigung aus. Zwischenzeitlich wird Volksbesänftigung betrieben. Neben der Aufnahme der mindestens 72 000 Flüchtlinge aus der Türkei kommen dann noch die Familienzusammenführungen hinzu sowie die Flüchtlinge, welche Deutschland über eine steigende Anzahl von Alternativrouten erreichen werden. Man rechnet allein für die Familienzusammenführungen im Schnitt drei bis vier Personen auf jeden anerkannten Asylbewerber. Und diesem Familiennachzug wird Merkel sicherlich bei sinkenden Flüchtlingszahlen keinen weiteren Aufschub gewähren.

Und dann wäre da noch die vereinbarte Visafreiheit mit der Türkei. Von türkischer Seite aus betrachtet ist diese Forderung völlig nachvollziehbar. Aber was sie für Europa und besonders für Deutschland für Folgen haben wird, bleibt unübersehbar.

 

http://www.wiwo.de/politik/ausland/eu-tuerkei-gipfel-visafreiheit-fuer-die-tuerkei-pro-und-kontra/13343390.html

  • Gegner der Visafreiheit führen ins Feld, dass Türken, die wissen, dass ihr (kostenpflichtiger) Antrag keine Chance hat, diesen derzeit gar nicht erst stellen. Ein Grund kann beispielsweise sein, dass sie nicht überzeugend darlegen können, dass sie wieder zurückkehren wollen. Befürchtet wird, dass diese Türken dann massenhaft in die EU strömen könnten – um dort unterzutauchen und schwarz zu arbeiten.
  • In der Flüchtlingskrise wird vor allem über Syrer diskutiert. Wenig Beachtung findet, dass auch aus der Türkei ein Zustrom an (kurdischen) Flüchtlingen drohen könnte. Nach Angaben der Regierung hat die eskalierende Gewalt im Südosten bereits mehr als 350 000 Menschen vertrieben. Sie suchen derzeit im Land Zuflucht. Ohne Visapflicht könnten sie ins nächste Flugzeug steigen – und nach der Landung beispielsweise in Deutschland Asyl beantragen. Derzeit kommen Türken ohne Visum gar nicht erst bis zum Flugzeug.
  • Die Visapflicht für Angehörige von Nicht-EU-Staaten soll auch dazu dienen, Terroristen aus der EU fernzuhalten – und die Terror-Gewalt in der Türkei eskaliert. Die Selbstmordattentäter der letzten beiden Anschläge von Ankara waren türkische Staatsbürger. Sie hätten ohne Visapflicht theoretisch auch problemlos in die EU einreisen können.

 

Die Medien feiern mehrheitlich Merkels Rückkehr zur Realpolitik verbunden mit einer Menschlichkeit in Form eines realpolitischen Schein-Humanismus. Merkel versucht Machtpolitik zu betreiben und gleichzeitig Nächstenliebe zu predigen. Welchen göttlichen Auftrag hat sie zu erfüllen?

Bei der Rechtfertigung des Irakkrieges 2003, der zu Beginn der Destabilisierung des Nahen Ostens stand, spielte die „Nächstenliebe“ auch eine entscheidende Rolle. Der damalige US-Präsident George W. Bush ließ sich in seinen politischen Entscheidungen ebenfalls durch seinen Glauben leiten.

 

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-26383998.html

17.02.2003

Krieg aus Nächstenliebe

Mit dem Sturm auf Bagdad will US-Präsident George W. Bush einen göttlichen Auftrag erfüllen. Selten sind im tiefgläubigen Amerika nationale Machtinteressen und fundamentalistische Frömmelei eine so innige Verbindung eingegangen. Christliche Eiferer rufen zum Kreuzzug gegen den Islam…

Fromme, moralische, gute Menschen bevölkern den Amtssitz des Präsidenten. Flüche sind verboten, es wird weder geraucht noch getrunken. Niemand darf dort arbeiten, der nicht das ungeschriebene Kriterium erfüllt: „keinen Joint seit dem College“. Ein „moderner Evangelikalismus“ durchflute das schöne Haus an der Pennsylvania Avenue, berichtet durchaus begeistert der einstige Redenschreiber des Präsidenten, David Frum…

Je näher der Krieg gegen den Irak rückt, desto öfter erzählt der Präsident von seinem Glauben und seinen Werten. Seiner Frömmigkeit misst er großen Einfluss auf seine Handlungen zu. Es versteht sich in Amerika fast von selbst in Zeiten einer nationalen Krise, dass der Präsident sich in einen Prediger verwandelt, der Trost und Kraft spendet.

Der pastorale Ton greift aber mittlerweile auch auf die Begründung der Politik über. George W. Bush ist überzeugt, dass Gott es ist, der ihn in diesem geschichtlichen Moment dieses Amt versehen lässt. In seinen Gebeten, sagt Bush, bitte er vor allem um Stärke für seine Mission: „Gott hat uns aufgerufen, unser Land zu verteidigen und die Welt zum Frieden zu führen.“…

George W. Bush aber ist es offenbar mit beidem ernst: mit dem Glauben an den Menschensohn und mit der imperialen Machtprojektion. Wann immer ein amerikanischer Präsident sein Christentum mit dem Wunsch nach Neuordnung der Interessensphären aufs Harmonischste verbinden will, antworten die Europäer mit tiefer Skepsis. Mit ihrem weltlichen Verständnis von Macht und Politik verträgt sich nicht die uramerikanische Berufung auf ein „manifest destiny“ – die Schicksalsbestimmung der Vereinigten Staaten, Frieden durch Krieg in die Welt zu bringen. Doch wer die Rolle der Religion in „God“s own country“ (US-Selbstverständnis) nicht ernst nimmt, auf dessen Währung „In God we trust“ eingraviert ist, der versteht Amerika nicht…

 

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

André Gide

 

Was verbirgt sich hinter Merkels Maske der „Nächstenliebe“?

 

Das Rätsel der Sphinx

 

Ich, der ich weiß, mir einzubilden, dass ich weiß, nichts zu wissen, weiß, dass ich nichts weiß.
Sokrates

 

2 Kommentare zu „Das Rätsel um Merkels „Menscheln“ in der Flüchtlingskrise

  1. Schöne Zitate! Umfassender Beitrag. In einigen Punkten kommen wir einander argumentativ ziemlich nahe (siehe mein Beitrag hier bei „Flüchtlingskrise“ unter „Spätnachlese zur Merkel-Doktrin), auch wenn alle Eigenschaften an Merkel’s Gesicht seitenverkehrt markiert und damit in ihrer inhaltlichen Bedeutung fraglich zu sein scheinen (ich kenne mich mit dieser Kunst nicht aus, aber die Angabe der Seitenbezüge müßte die Relevanz eigentlich etwas einschränken).

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  2. „Muslimische Schüler dürfen Lehrerin Handschlag verwehren“,
    bisher gilt das aber nur in der Schweiz. Ist aber vielleicht auch nur eine Frage der Zeit.
    Zwei Schüler in der Schweiz meinten, dass dies ihre Religion verbieten würde. Ja wenn das so ist. Da muss doch der Gutmensch Verständnis für haben.
    Übrigens, es gibt da auch einige, bestimmt Neurechte, die meinten, dass sich auch muslimische Schüler den Sitten hier anpassen müssten, und nicht umgekehrt.

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